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Kompetenzzentrum Frau und Beruf OWL 16.06.2021

Online-Seminar: Gendersensible Gestaltung von Webseiten als Werkzeug zur Steigerung der Arbeitgeberattraktivität am 10. Juni 2021

Rund 60 Teilnehmende – Personalverantwortliche aus Unternehmen, Unternehmens- und Personalberaterinnen und -berater – nahmen an der Online-Veranstaltung „Gendersensible Gestaltung von Webseiten als Werkzeug zur Steigerung der Arbeitgeberattraktivität“ am Donnerstag, 10. Juni 2021, teil. 

Professorin Dr.‘in Anja Iseke von der Technischen Hochschule OWL führte zunächst in das Thema ein, welche Rolle die Webseite eines Unternehmens in der Rekrutierung und Bindung von Mitarbeitenden spielt. Gerade in den weniger bekannten, kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) nutzen Job-Interessierte die Unternehmenswebseiten nicht nur, um nach offenen Stellen zu suchen, sondern auch, um sich über die Organisationskultur und Angebote für Beschäftigte zu informieren. Denn auch die Job-Interessierten suchen nach einer Passung zwischen dem Unternehmen als Arbeitgeberin oder Arbeitgeber und ihnen selbst als möglichen Mitarbeitenden. Aus der Gestaltung der Webseite schließen sie auf die Attraktivität der Unternehmen. Und Studien haben herausgefunden, dass Jobsuchende Unternehmen besser bewerten, wenn sie mehr Informationen über Arbeitgebermerkmale und Tätigkeiten auf der Homepage finden. Daher stellt die Webseite einen sehr wichtigsten Recruiting-Kanal dar.

Im Auftrag des Kompetenzzentrums Frau und Beruf OWL hat Prof.‘in Dr.‘in Iseke in einer empirischen Erhebung untersucht, inwiefern KMU in Ostwestfalen-Lippe ihre Webseite nutzen, um sich zu präsentieren. Im Rahmen der Studie wurde beispielsweise analysiert, ob und wie (potenzielle) Beschäftigte auf der Webseite angesprochen werden, mit welchen Angeboten Unternehmen um Beschäftigte auf ihrer Webseite werben und wie eine Karriereseite, falls vorhanden, gestaltet wird.
Darüber hinaus wurde untersucht, inwiefern die Unternehmen ihren Internetauftritt nutzen, um gezielt Frauen als potenzielle Mitarbeiterinnen zu adressieren.

Die Untersuchung von ca. 280 KMU verschiedener Branchen in ganz Ostwestfalen-Lippe hat ergeben, dass viele KMU die Möglichkeit verschenken, sich hier attraktiv zu präsentieren und Beschäftigte wirklich ansprechend über sich als Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber zu informieren. Insbesondere wird es den Job-Interessierten oft schwer gemacht, Stellenausschreibungen und/ oder Ansprechpersonen für Rückfragen im Bewerbungsprozess zu finden. Auch werden verschiedene Zielgruppen oft nicht differenziert angesprochen und mit Informationen versorgt, die jeweils für sie wichtig sind.

Einige Empfehlungen, die Prof.‘in Dr.‘in Iseke daraus ableitet, sind in Bezug auf die Attraktivität der ausgeschriebenen Stelle bzw. des Unternehmens:

  • Alleinstellungsmerkmale als Arbeitgeber herausstellen
  • schneller Zugriff auf Karriereseite
  • persönliche Ansprechperson nennen, wenigstens mit Durchwahl und persönlicher Emailadresse, ggf. auch mit Bild

Letzteres ist insbesondere im Hinblick darauf bedeutsam, dass Bewerbungen sehr ausführliche und höchstpersönliche Informationen über die Bewerberin oder den Bewerber enthalten. Die Hemmschwelle, so persönliche Informationen abzusenden, sinkt, wenn ein Gefühl der Nähe zur adressierten Person aufgebaut werden kann.

Prof.‘in Dr.‘in Iseke empfiehlt ferner, eine Zielgruppenanalyse durchzuführen, um zu klären, welche Jobsuchenden angesprochen werden sollen und was die potentiellen Beschäftigten tatsächlich für Informationen benötigen (z.B. differenziert nach Schülerinnen und Schülern auf der Suche nach Praktikumsplätzen, Studierenden auf der Suche nach Werksstudententätigkeiten oder Betreuung einer Masterarbeit o.ä. sowie Berufserfahrenen auf der Suche nach qualifizierten Stellen).

Unternehmen wirken besonders glaubwürdig, wenn sie eine Übereinstimmung zwischen Arbeitgebermarke und Realität vermitteln und auf allen Webseiten eine konsistente Darstellung gelingt. Wenn gerade Frauen angesprochen werden sollen, wirkt es eher negativ, wenn bspw. ausschließlich im HR-Bereich eine weibliche (Nachwuchs-)Führungskraft abgebildet ist, da diese von aufstiegsorientierten Frauen oft als „Alibi-Frauen“ empfunden werden. Überzeugender wirkt es, wenn eine Frau zum Beispiel den Bereich „Controlling“ oder „Forschung und Entwicklung“ leitet, da dies suggeriert, dass alle Beschäftigten im Unternehmen faire Aufstiegsmöglichkeiten haben.

Eine weitere Empfehlung im Hinblick auf Gendersensibilität ist, auf der gesamten Webseite neutrale Sprache zu verwenden (z.B. „Mitarbeitende“ oder „Beschäftigte“ anstelle von ausschließlich „Mitarbeiter“) und dies nicht nur in der Formulierung von Stellenanzeigen zu beachten.

Soweit Bilder verwendet werden, ist es vorteilhaft, Diversität in jeder Hinsicht aufzuzeigen, sofern sie tatsächlich vorhanden ist. Idealerweise wird in den Bildern auch mit Geschlechterstereotypen gebrochen, indem bspw. ein Mann mit Kind abgebildet wird beim Thema Vereinbarkeit und nicht eine Frau. Auch dies vermittelt die zeitgemäße Ansicht, dass Kinder Familiensache sind und nicht ausschließlich als Verantwortung von Frauen gesehen wird.

Es ist geplant, dass die empirische Untersuchung zu KMU-Webseiten in OWL einschließlich der Empfehlungen noch im Sommer 2021 veröffentlicht wird. Aktuelles hierzu wird auf der Webseite des Kompetenzzentrums veröffentlicht.

Veranstalterinnen des Online-Seminars waren das Kompetenzzentrum Frau und Beruf OWL, die Gleichstellungsstelle der Stadt Bielefeld sowie die WEGE Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft Bielefeld mbH.

Bild: von oben:
Vera Wiehe | Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft Bielefeld mbH
Christina Rouvray | Kompetenzzentrum Frau und Beruf OWL
Professorin Dr.‘in Anja Iseke | Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe
Bildrechte: OWL GmbH