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Portrait

Charlotte Sternberg – Führung mit Herz, Haltung und Weitblick

Charlotte Sternberg ist seit Frühjahr 2025 geschäftsführende Gesellschafterin der STERNBERG Software GmbH & Co. KG, die digitale Lösungen für Kommunen entwickelt. Das Familienunternehmen wurde 1990 gegründet – ein Jahr vor Charlottes Geburt. Seit sie denken kann, war das Unternehmen Teil ihres Alltags. Dass sie eines Tages die Geschäftsführung übernehmen würde, war trotzdem kein vorgezeichneter Plan.

Nach einer Ausbildung, dem Fachabitur und einem BWL-Studium stieg Charlotte ins Unternehmen ein, übernahm erste Anteile und arbeitete lange als Prokuristin, allerdings ohne Führungsrolle. Der Übergang in die Geschäftsführung mit dem Generationswechsel war sehr emotional. Für sie bedeutet es nicht nur einen Wechsel auf dem Papier, sondern auch eine Veränderung im Familiengefüge, in Rollenbildern und im Alltag. Beruflich war es für Charlotte herausfordernd, in einer Führungsposition von jetzt auf gleich Verantwortung zu übernehmen, während gleichzeitig vieles noch vertraut, aber auch neu war.

Heute steht sie für eine empathische und familienfreundliche Führung, für offene Kommunikation und für ein Team, das gemeinsam gestalten möchte. Für sie ist klar: Die Zukunft gelingt am besten miteinander.

 

Wie war das für dich – wolltest du schon immer ins Familienunternehmen einsteigen?

Nein, eigentlich nicht. Als Kind habe ich zwar viel Zeit dort verbracht. Ich erinnere mich, dass ich hier damals mit Stiften gemalt habe. Mit denselben Holzstiften malen heute meine eigenen Kinder. Aber das war nie geplant. Ich glaube, als Kind wollte ich Friseurin werden. Später Polizistin, aber das ging wegen meiner Sehschwäche leider nicht. Danach habe ich einen kleinen Abstecher zur Bundeswehr gemacht, aber die Führungskultur dort hat überhaupt nicht zu mir gepasst.

 

Was macht für dich eine gute Führungspersönlichkeit aus?

Ich finde, man sollte offen und wertschätzend mit Menschen umgehen. Mir ist außerdem Einfühlungsvermögen sehr wichtig. Man muss zuhören können, offen bleiben und Menschen mitnehmen. Ich habe gelernt, dass Verantwortung zu übernehmen nicht nur bedeutet, einen Titel zu haben, sondern vor allem, für andere da zu sein und gemeinsam die Zukunft zu gestalten.

 

Zurück zum Anfang: Wie ging es dann für dich weiter?

Zunächst war ich etwas orientierungslos. Erst habe ich eine Ausbildung zur Bürokauffrau gemacht und mein Fachabitur erworben, anschließend habe ich BWL mit den Schwerpunkten Marketing und Personal studiert. Im letzten Semester kam dann mein erstes Kind zur Welt.

Danach habe ich direkt damit begonnen, mich um die Bereiche Personal und Finanzen zu kümmern. Ich habe mich immer aktiv an Fortbildungen, Workshops oder Netzwerktreffen beteiligt, um meine Fähigkeiten stetig zu verbessern und auch wichtige neue Impulse zur Unternehmensentwicklung zu erhalten. So kam beispielsweise auch mein Wunsch auf, dass eine psychische Gefährdungsbeurteilung zum Standard wird.

Für mich war klar: Ich möchte, dass es den Mitarbeitenden hier gut geht. Sie sind wie Familie für mich.

 

Wie kam es dann zur Übernahme der Geschäftsführung?

Das kam Schritt für Schritt wie von selbst. Es war nie mein Plan, Geschäftsführerin zu werden. Nach dem Studium habe ich nach und nach immer mehr Aufgaben als Prokuristin übernommen. Seit 2016 bin ich auch Gesellschafterin und Mitglied der Geschäftsleitung.

Der eigentliche Impuls zur Übernahme der Geschäftsführung entstand erst vor zwei Jahren während eines Workshops zu unseren Unternehmenswerten. Dabei wurde die Frage aufgeworfen, wie es weitergeht, wenn mein Vater in Rente geht. Ich habe mich dann bewusst dafür entschieden, Verantwortung zu übernehmen – aber nicht, weil der Titel schön klingt, sondern weil ich verstanden habe, was es bedeutet.


War es schwer, in diese neue Rolle hineinzuwachsen?

Natürlich war es eine Umstellung. Ich habe mich Schritt für Schritt mehr in die Vogelperspektive eingearbeitet. Die wöchentlichen Meetings mit meinem Vater haben mir dabei sehr geholfen. Wir sind uns oft einig, aber ich bringe auch eigene Ideen ein. Ein externes Coaching hat mir außerdem dabei geholfen, meinen Werkzeugkoffer zu füllen. Außerdem ist mein Mann eine große Unterstützung. Er arbeitet ebenfalls hier mit mir und ist immer ein guter Ansprechpartner sowohl im Beruflichen als auch im Privaten.

 

Was ist dir als Geschäftsführerin besonders wichtig?

Familienfreundlichkeit ist für mich ein Herzensthema. Ich habe selbst drei Kinder und weiß daher, wie wichtig es ist, flexibel zu sein und dies auch seinen Angestellten zu ermöglichen. Wir legen viel Wert auf flexible Arbeitszeiten, Homeoffice und Elternzeit. Für unsere Familienfreundlichkeit haben wir auch eine Auszeichnung bekommen.

 

Wie geht ihr im Unternehmen mit dem Thema Generationenwechsel um – zwischen Bewahren und Erneuern?

Das war tatsächlich ein sehr bewusster Prozess. In einem Workshop haben wir gemeinsam mit dem Team erarbeitet, was den „inneren Kern“ unseres Unternehmens ausmacht, also welche Werte auf jeden Fall erhalten bleiben sollen. Dazu zählen ein familiäres Miteinander, Sicherheit, Verlässlichkeit und der direkte Draht zueinander. Gleichzeitig war uns klar: Wenn wir zukunftsfähig bleiben wollen, müssen wir auch Raum für Neues schaffen, etwa für moderne Technologien, agile Arbeitsweisen oder neue Formen der Zusammenarbeit.

 

Und was sind eure Zukunftspläne im Unternehmen?

Wir entwickeln Softwarelösungen für das digitale Sitzungsmanagement in Kommunen, Verbänden und Unternehmen. Ich sehe uns stetig wachsen - sowohl in der Reichweite als auch in der Tiefe unserer Lösungen. Gemeinsam mit dem Team haben wir verschiedene Visionen entwickelt. Wir möchten die Digitalisierung in der Verwaltung ganzheitlich denken: mit durchdachten Prozessen, mit KI, aber auch mit Nähe zu den Menschen, die unsere Software täglich nutzen. Eine weitere Idee war, zum 40-jährigen Jubiläum eine Team-Workation auf Mallorca zu machen – warum nicht groß denken?

 

Welchen persönlichen Rat würdest du anderen Frauen geben, die eine Führungsrolle anstreben?

Ich lebe eigentlich immer im Moment. Wenn man durch eine Tür geht, öffnen sich wieder ganz viele neue. Vieles ergibt sich ganz natürlich. Traut euch! Wenn ihr unsicher seid, holt euch Unterstützung, zum Beispiel durch ein Coaching. Und denkt immer daran: Führung ist ein Prozess, kein statischer Zustand. Die Grundlagen sind Offenheit, Flexibilität und ein gutes Team.

 

Das Interview führte Kim Lasche, Projektmanagerin im Kompetenzzentrum Frau und Beruf OWL

 

ECHT-Reihe "Bielefelder Frauen in der Wirtschaft"