Die startklar-Top 11

54 Bewerbungen, so viele wie seit 2011 nicht mehr: Mit dieser tollen Nachricht haben die startklar-Teams in diesem Jahr gezeigt: Ein eigenes Unternehmen zu gründen liegt im Trend. Mit startklar OWL begleiten wir Gründerinnen und Gründer über mehrere Monate dabei, ihre Geschäftsidee zu einem tragfähigen Konzept zu entwickeln und erfolgreich an den Markt zu bringen. Am Ende steht ein Businessplan, der von Experten aus der regionalen Gründerszene bewertet wird. Die elf besten Konzepte wurden am 8. September 2026 von einer Fachjury geprüft und ausgezeichnet – wer dabei war, erfahrt ihr hier.

Kategorie Hightech und Forschung

AutoAquaControl (Paderborn)

Ein tropfendes Rohr im Flachdach, eine undichte Stelle hinter der Wand – oft bleiben Wasserschäden lange unentdeckt und richten dann hohe Kosten an. AutoAquaControl setzt dem ein energieautarkes Sensorsystem entgegen, das solche Lecks frühzeitig meldet, bevor der Schaden entsteht.

Das Herzstück ist ein patentierter Detektor, der bei Wasserkontakt selbst die nötige Energie erzeugt und Messwerte drahtlos an einen Empfänger überträgt – ganz ohne Batterie oder externen Stromanschluss. Da die Elektronik bis zur Detektion spannungsfrei bleibt, bleiben Alterungseffekte aus: Das System soll über 25 Jahre hinweg wartungsfrei arbeiten. Ein Kontroll- und Ortungsgerät rundet das System ab und macht es für private wie industrielle Anwendungen einsetzbar, von Regenwasser über Trinkwasser bis zu Heiz- und Kühlkreisläufen.

Entstanden ist die Technologie an der Universität Paderborn, am Lehrstuhl für Sensorik von Prof. Dr.-Ing. J. Christoph Scheytt. Seit Oktober 2025 treibt das Team die Marktreife im Rahmen eines EXIST-Forschungstransfer-Projekts voran, gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.

Hier findet ihr weitere Infos: www.autoaquacontrol.com

Breakomers (Bielefeld)

35 Millionen Matratzen landen jedes Jahr in Europa im Müll – recyceln lässt sich der Schaumstoff darin bislang kaum, meist bleibt nur die Verbrennung. Breakomers will das ändern: Das Bielefelder Team hat Polyurethan-Schaumstoffe mit eingebauten Sollbruchstellen entwickelt, die sich am Ende ihrer Nutzungsdauer gezielt wieder in ihre Ausgangsbausteine zerlegen lassen.

Der Clou steckt im Molekül: Statt herkömmlicher Monomere setzen die Chemiker Dr. Kubilay Ceyhan und Paulo Wohlfahrt sowie Wirtschaftsingenieur Willy Zubert auf sogenannte Breakomers-Bausteine, die bereits bei der Synthese eine chemische Bruchstelle mitbringen. Recycling wird so nicht nachträglich mitgedacht, sondern von Anfang an ins Material eingebaut – unter milden Bedingungen und mit deutlich weniger Energieaufwand als bei bisherigen Verfahren. Für ihre Technologie haben die Gründer bereits ein Patent angemeldet.

Das Geschäftsmodell ist auf Skalierung ausgelegt: Über ein Plug-and-Play-Prinzip sollen bestehende Produktionsanlagen der Matratzen- und Polsterindustrie mit nur wenigen Anpassungen weiterlaufen können, erste Gespräche mit Herstellern laufen bereits. Unterstützt wird das Team seit Ende 2025 mit rund 1,5 Millionen Euro aus dem EXIST-Forschungstransfer-Programm des Bundes.

Weitere Infos findet ihr bei der Universität Bielefeld: www.uni-bielefeld.de

Clanga AI (Paderborn)

Softwaretests sind für viele Tech-Teams ein Nadelöhr: zeitintensiv, repetitiv, und trotzdem entscheidend für die Qualität. Gründer Dr. Johannes Blobel entwickelt in Paderborn mit Clanga AI KI-native Agentensysteme, die das Testen neuer Software automatisieren und schafft damit einen Hebel, der Entwicklungsteams spürbar entlastet.

Der Ansatz: Bestehende und eigens entwickelte KI-Module werden zu einem skalierbaren System kombiniert, statt jede Testroutine von Grund auf neu zu bauen. Das Ergebnis sind spürbare Effizienz- und Kostenvorteile für die Unternehmen, die die Lösung einsetzen und ein Testprozess, der mit der Software mitwächst statt sie auszubremsen.

Lightweaver (Bielefeld)

Bisherige superauflösende Fluoreszenzmikroskope sind so groß wie ein bis zwei Kühlschränke. Lightweaver bringt sie auf die Grundfläche einer Mikrowelle, bei höherer Leistung. Das Team Lightweaver entwickelt an der Universität Bielefeld ein hochkomplexes optomechatronisches System, das direkt auf der Laborbank Platz findet und dabei ein mehr als zehnfach größeres Bildfeld liefert als bisherige High-End-Lösungen – bei einer Auflösung unterhalb des physikalischen Beugungslimits.

Möglich macht das eine Kombination aus gezielter Bildverarbeitung und strukturierter Beleuchtung, verwandt mit Prinzipien aus der industriellen 3D-Sensorik. Damit lassen sich Prozesse auf Subzellebene sichtbar machen, die bislang verborgen blieben – ein Werkzeug für Grundlagenforschung ebenso wie für die Wirkstoffentwicklung in der Pharmaindustrie. Anfragen kommen bereits aus dem akademischen Umfeld, etwa von Oxford und Johns Hopkins, sowie aus der Industrie, unter anderem von Bayer CropScience.

Für den Sprung vom Prototyp zum marktreifen Produkt gründet das siebenköpfige Team ein universitäres Spin-off, gefördert mit 1,15 Millionen Euro über 18 Monate aus dem EXIST-Forschungstransfer-Programm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Das Team besteht aus Dr. Henning Ortkraß, Dr. Marcel Müller, Jakob Wessendorf, Janina Niemeyer, Jochen Linnenbrügger und Jannis Dolleck.

Weitere Infos findet ihr beim Bielefeld Research + Innovation Campus: bric-owl.de

Industrie, Handwerk und Dienstleistung

42grad (Verl)

No-Code-Tools versprechen schnelle Prozessautomatisierung – stoßen im Mittelstand aber oft an Grenzen: fehlende Zugriffskontrollen, restriktive Lizenzmodelle, instabile Systeme unter Last. Das Verler Team von 42grad hat daraus die Konsequenz gezogen und mit 42°OS ein eigenes KI-Betriebssystem für den deutschen Mittelstand entwickelt – on-premises, DSGVO-konform, mit voller Datenhoheit beim Kunden.

Wer seinen Prozess kennt, kann ihn automatisieren: Über einen No-Code Workflow-Designer lassen sich Abläufe ohne tiefe Programmier- oder KI-Kenntnisse abbilden, während KI die Fleißarbeit übernimmt und Menschen sich auf Entscheidungen und Experten-Aufgaben konzentrieren. Mehrschichtige Sicherheitsmechanismen schützen dabei etwa vor Prompt Injection, Malware und DoS-Angriffen. Betrieben werden kann das System on-premises, hybrid oder in der Cloud – die Infrastrukturentscheidung bleibt beim Unternehmen, nicht beim Anbieter.

Dass die Lösung in der Praxis trägt, zeigt bereits der eigene Betrieb: 42grad setzt 42°OS nicht nur bei Kunden ein, sondern auch in den eigenen Geschäftsprozessen. Mit dem digitalen Prozessberater 42°Pulse, der Abläufe aus E-Mail-Kommunikation und Mitarbeiterinterviews rekonstruiert, gelingt der erste produktive Einsatz bei Kunden meist schon nach vier bis acht Wochen.

Hier findet ihr weitere Infos: www.42-grad.com 

BrycLabs (Paderborn)

"In meinem Bad tropft es von der Decke" – ein Foto per Chat, und der Fall ist erfasst: BrycLabs automatisiert die Schadensabwicklung zwischen Mietern und Vermietern von der Meldung bis zur eingeleiteten Maßnahme. Ein Bild oder eine Sprachnachricht genügt, die KI transkribiert, analysiert und legt automatisch ein Ticket mit eigener Nummer an – im Hintergrund reichert das System den Fall technisch und rechtlich an und koordiniert passende Dienstleister.

Gegründet haben BrycLabs Lukas Fast und Dominik Rößer, bewusst am Standort Paderborn: Die enge Anbindung an die Universität und ihr Data-Science-Know-how fließt direkt in die KI-Entwicklung ein. Aus der Gründerschmiede garage33 heraus überzeugte das Team bereits den Kölner Inkubator xdeck und läuft aktuell pilothaft bei mehreren namhaften Immobiliengesellschaften.

Der Anspruch geht über die reine Schadensmeldung hinaus: Aus jeder Meldung entstehen strukturierte Daten, die Hausverwaltungen für Dokumentenmanagement, Prozessautomatisierung und intelligente Mieterkommunikation weiternutzen können. "Gute KI beginnt mit guten Daten" – nach diesem Prinzip macht BrycLabs Immobilienunternehmen fit für den KI-Einsatz, ganz ohne Fachchinesisch.

Hier findet ihr weitere Infos: bryclabs.de

wildAF (Detmold)

Wild ist das einzige Fleisch, bei dem das Tier ein komplett freies Leben hatte – kein Gatter, keine Zucht, keine Mast. Trotzdem fristet Wildfleisch hierzulande ein Nischendasein, oft ohne echte Herkunftsnachweise. wildAF, gegründet 2024 von den Brüdern Paul und Theodor Sürmann, digitalisiert diesen Markt: Jedes Stück lässt sich per QR-Code, dem WildTracker®, bis zur Postleitzahl seiner Herkunft zurückverfolgen.

Die Brüder sind im Odenwald mit dem Jagdrevier vor der Haustür aufgewachsen – Wild zerlegen war bei ihnen zuhause Alltag. Heute holen sie es direkt bei Jägern und Forstämtern in der Region ab und zerlegen es in ihrem eigenen EU-zertifizierten Betrieb in Detmold, ganz ohne Zwischenhändler. Keine anonyme Ware, sondern ein Stück, das durch die eigenen Hände geht, bevor es beim Kunden landet.

Ihre Überzeugung: Wild ist kein Saisonprodukt für Feiertage, sondern das ehrlichste Fleisch, das es gibt, und gehört deshalb auf jeden Tisch. Mit dieser Haltung – und mehr Transparenz, als Bio-Siegel je bieten können – will wildAF dem traditionellen Nischenmarkt ein modernes, digitales Vertrauensfundament geben.

Hier findet ihr weitere Infos: wildaf.de

german horse tech (Vlotho)

Als es der Stute Rosi im Frühjahr 2024 aufgrund ihres equinem Asthmas so schlecht ging, dass eine Einschläferung im Raum stand, entstand bei Christina und Björn Schindler eine Idee: Heu nicht mehr zu bedampfen, sondern trocken zu entstauben. Björn baute daraufhin einen ersten Prototypen – ohne Wasser, Hitze oder Zusatzstoffe. Wenige Monate später war Rosi nahezu hustenfrei und brauchte weder Cortison noch Inhalation.

Aus dieser Erfahrung wurde eine Maschine: der DEXTR1550. Trockenes Heu rein, 15 Minuten warten, staubfreies Heu raus – ganz ohne Wasser, Dampf oder Chemikalien und mit einem einfachen 220-Volt-Anschluss. Da die Elektronik im trockenen und kalten Verfahren arbeitet, bleiben Nährstoffe erhalten und das Heu lässt sich ohne Schimmelrisiko lagern. Bis zu 90 Prozent weniger Staub bedeuten für Pferde mit Atemwegsproblemen einen echten Unterschied, denn Studien zufolge erkrankt mittlerweile etwa jedes zweite Pferd im Laufe seines Lebens an Asthma.

Als das Team unter dem Namen german horse tech seinen ersten Prototypen auf der Equitana 2025 vorstellte, war die Resonanz überwältigend. Heute richtet sich das Unternehmen aus Vlotho gezielt an professionelle Tierhaltungsbetriebe, die Heuqualität und Anwendersicherheit im Stall auf ein neues Niveau heben wollen.

Hier findet ihr weitere Infos: www.germanhorsetech.com

Zukunft und Gesellschaft

BarricadiX (Paderborn)

Ein durchbrechendes Fahrzeug, ein ungeschütztes Zufahrtstor, ein systemrelevantes Unternehmen: Viele Risiken bleiben unentdeckt oder abstrakt, bis es zu spät ist. BarricadiX aus Paderborn macht sie sichtbar. Statt zeit- und kostenintensiver Vor-Ort-Begehungen und unsicherer Schätzungen liefert die Plattform der Gründer Dr. Paul Eichwald, Valentin Antipin und Manuel Granseuer KI-gestützte, normbasierte Risikoberichte für Veranstaltungen, kritische Infrastrukturen und sicherheitskritische Bereiche.

Das System berechnet Zufahrtsrisiken und Fahrzeugdynamik, gleicht sie mit Produktdaten ab und erstellt daraus automatisiert belastbare Schutzkonzepte – inklusive der Unterlagen, die Kommunen und Betreiber für Genehmigungen oder Fördermittel brauchen. Was früher aufwendige Gutachten erforderte, wird so zu einem durchgängigen digitalen Workflow: strukturierte Erfassung, nachvollziehbare Bewertung, dokumentierbares Ergebnis, ohne Medienbrüche und ohne lange Abstimmungsschleifen.

BarricadiX war bereits im DefenseTech-Inkubator.NRW vertreten und erprobt seine Software gemeinsam mit Partnern aus Verwaltung, kritischer Infrastruktur und Event-Sicherheit im Realbetrieb.

Hier findet ihr weitere Infos: www.barricadix.de

mirasu (Bielefeld)

Nur jedes zweite Krankenhaus in Deutschland berücksichtigt Nachhaltigkeit bislang in der Unternehmensstrategie, dabei ist der Gesundheitssektor für rund 5 Prozent der nationalen Treibhausgasemissionen verantwortlich. mirasu aus Bielefeld setzt genau dort an: Gegründet von Dr. Mia Feldmann und Max Pollmeyer, hilft das Team Kliniken und sozialen Einrichtungen, Nachhaltigkeit strukturiert anzugehen, statt sie als Randthema zu behandeln.

Kern der Plattform ist ein KI-gestützter Maßnahmenassistent, der Nachhaltigkeitsverantwortlichen und Geschäftsführungen bei der Projektplanung hilft – mit transparentem Zeitaufwand, Personalbedarf, Kosten und Einsparungen. Statt jedes Projekt bei null zu beginnen, greift die Software auf Best Practices zurück und macht Wirkung von Anfang an nachvollziehbar. Ein entscheidender Punkt für Einrichtungen mit ohnehin knappen Ressourcen und Personal.

"Mit grünen Maßnahmen schwarze Zahlen schreiben" – so bringt Mitgründerin Mia Feldmann das Versprechen auf den Punkt. Erste Angel-Investoren sind bereits an Bord, weitere Finanzierungsrunden laufen.

Hier findet ihr weitere Infos: www.mirasu.de

PureSpore (Lemgo & Detmold)

Bis zu 200-mal weniger CO₂ als tierisches Eiweiß, gewonnen aus etwas, das sonst als Abfall gilt: PureSpore holt Protein dort heraus, wo es niemand vermutet – aus Nebenströmen der Lebensmittelproduktion. Über ein Fermentationsverfahren machen die Gründer Justin Debrassine und Florian Rempel daraus ein funktionelles Pilzprotein, das sich industriell skalieren lässt.

Ihr Fachwissen bringen beide direkt aus der Forschung mit: Justin hat den Masterstudiengang Processing in Life Sciences an der TH OWL absolviert und untersucht am dortigen Institute for Life Science Technologies, wie sich der Klimawandel auf Agrarprodukte in NRW auswirkt. Florian studiert Industrielle Lebensmitteltechnologie und entwickelt in der Future Food Factory OWL bioaktive Peptide, Erfahrung, die direkt in die biochemische Prozessentwicklung von PureSpore einfließt.

Mit diesem Konzept überzeugten sie beim Call-for-Ideas-Finale von VerbundVolksbank OWL, garage33 und dem Gründungsnetzwerk OWL und sicherten sich 2025 den Sieg. Gefördert durch die Campus Foundery OWL, durchlief PureSpore anschließend das Inkubator- und Accelerator-Programm von garage33. Aus dem zweiseitigen Ideenpapier eines studentischen Teams ist so ein Unternehmen geworden, das sich inzwischen auf Venture-Capital-Investitionen vorbereitet.

Weitere Infos findet ihr bei der Technischen Hochschule OWL: www.th-owl.de