Bei ZF in Bielefeld ist die Kreislaufwirtschaft also im vollen Gange, zwei wichtige Fragen bleiben jedoch: Wie bekommt ein Unternehmen seine alten Produkte überhaupt wieder zurück, und wie bereitet es sie ökonomisch sinnvoll wieder auf? Die Grundlage für den Erfolg liegt ganz am Anfang: im Produktdesign. "Design for Remanufacturing ist der Schlüssel", betont Witthöft. Möchten Unternehmen also in die Wiederaufbereitung von Altteilen einsteigen, empfiehlt sich der Blick auf die Konstruktion. Bereits bei der Entwicklung eines Produktes muss bedacht werden, wie es am Ende seines Lebenszyklus effizient demontiert und wiederaufbereitet werden kann. Statt Bauteile etwa zu verschweißen oder zu verkleben, empfiehlt Witthöft auch Alternativen wie Schraubverbindungen mitzudenken, die leicht zu lösen sind. Zudem sollten hochwertige Materialien verwendet werden, die eine längere Lebensdauer gewährleisten. „Günstige Alternativen führen oft dazu, dass Produkte nach einmaligem Gebrauch im Müll landen."
Ist das Produkt also nach den Leitlinien einer vereinfachten Wiederaufbereitung entwickelt, produziert und verkauft, stellt sich die nächste Frage: Wie kommt das Altteil in drei oder vier Jahren zurück zum Hersteller? Das ZF-Werk in Bielefeld hat dafür ein intelligentes Rücknahmesystem etabliert, bei dem Kunden neue Produkte günstiger erwerben können, wenn sie sich dazu verpflichten, das zukünftige Altteil wieder zurückzuliefern – eine Art Pfandsystem. "Unser Ansatz, Altteile systematisch zurückzuführen, ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Es schafft Vertrauen, bindet Kunden und hilft uns, die Kreisläufe geschlossen zu halten." Für nicht zurückgeführte und somit im Markt „verlorene“ Produkte wird dann eine Ausgleichszahlung oder Gutschrift fällig. Auch kleinere Unternehmen können hier eigene Maßnahmen ergreifen und neue Geschäftsmodelle erschließen.
Nach Rückführung des Altteils zum Hersteller steht die nächste Phase an: Die Wiederaufbereitung. Das Teil in seine Einzelteile zu zerlegen, ist dank des Produktdesigns kein großer Aufwand mehr. Bei der Demontage, Prüfung und Aufbereitung liegen außerdem im Zusammenspiel von Mensch und Maschine besondere Potenziale. In Bielefeld kommt daher auch künstliche Intelligenz zum Einsatz, um beispielsweise den Zustand von Bauteilen präzise zu bewerten und etwa Federn auf Mikrorisse zu prüfen. "Wir setzen KI-Systeme ein, die Verschleißstellen erkennen und monotone Arbeiten übernehmen. Das entlastet unsere Mitarbeitenden, steigert die Effizienz und reduziert Fehlerquoten", erklärt Witthöft. Dennoch empfiehlt Witthöft Automatisierung mit Augenmaß: „Die Mitarbeitenden sind unser höchstes Gut, ihre Motivation daher umso wichtiger. Unsere Prozesse sind darauf ausgelegt, das Beste aus beiden Welten zu verbinden."