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Bauschutt wird zum Wertstoff: Wie Schüttflix mit digitaler Logistik die Kreislaufwirtschaft im Bau neu denkt

Zu aufwändig, nicht skalierbar, für die Baustelle nicht praktikabel – so lauten viele Einwände, wenn es um echte Kreislaufwirtschaft im Bauwesen geht. Doch ein Unternehmen aus Gütersloh hat längst bewiesen, dass es funktionieren kann: Schüttflix. Die digitale Plattform bringt Angebot und Nachfrage von Schüttgut, Recyclingmaterialien und Entsorgungsleistungen zusammen. In Echtzeit, transparent und effizient. Heute ist sie Europas größte Plattform für zirkuläre Baustofflogistik. Und zeigt eindrucksvoll: Nachhaltigkeit ist nicht nur möglich – sie kann auch Grundlage für Geschäftsmodelle sein.

Auf einen Blick

Ressourcenschonende Komplettlösung: Schüttflix verknüpft Ver- und Entsorgung auf der Baustelle zu einem geschlossenen Stoffstromkreislauf – und ermöglicht so Kreislaufwirtschaft direkt am Ort des Geschehens.

Wirtschaftlicher Rückbau: Mineralische Abfälle werden digital erfasst, sortenrein getrennt und in den Wertstoffkreislauf zurückgeführt – das senkt Entsorgungskosten und erschließt neue Rohstoffquellen.

Digitalisierung trifft Nachhaltigkeit: Die Plattform macht CO₂-intensive Prozesse effizienter, transparenter und messbar – und treibt so datenbasierte Emissionsreduktion im Bauwesen voran.

Von der Pizza zur Kreislaufwirtschaft

Die Idee zu Schüttflix kam Gründer Christian Hülsewig 2018 nach einem Bauprojekt in der Familie. Warum, so fragte er sich, kann man eigentlich keinen Kies online bestellen wie eine Pizza? Die Antwort: Man kann, wenn man Logistik, Digitalisierung und Kreislaufwirtschaft zusammendenkt. Inzwischen verbindet die App mehr als 37.000 Nutzer:innen aus mehr als 15.000 Organisationen aus Bauwirtschaft, Entsorgung und Spedition – in Deutschland und Polen.

„Wir betrachten alle Baustellen ganzheitlich, sowohl beim Bau als auch beim Rückbau. Mit unserem Konzept der Ver- und Entsorgung können wir den gesamten Stoffstromkreislauf einer Baustelle ressourcenschonend verwalten. Das ist echte Kreislaufwirtschaft“, erklärt Hülsewig. Und das ist mehr als ein Versprechen: Rund 40 Prozent der Transporte auf der Plattform enthalten heute bereits Recyclingmaterial – Tendenz steigend.

Digitalisierung als Schlüssel zur Zirkularität

Was Schüttflix einzigartig macht, ist das Zusammenspiel von Plattformdenken und Baustellenpraxis. Wo früher per Telefon, Fax oder Bauchgefühl bestellt wurde, sorgt heute ein algorithmusgestütztes System für Transparenz und Effizienz. Leerfahrten werden reduziert, Materialflüsse geplant, Emissionen gesenkt. „Ein Großteil der Bauabfälle kann heute aufbereitet und als Recyclingmaterial wiederverwendet werden. Der Rückbau ist das Schotterwerk der Zukunft“, bringt es Hülsewig auf den Punkt.

Mit der Gründung der Schüttflix Group – ein Zusammenschluss mit IK Umwelt und der Entsorgungssparte der Hagedorn Gruppe – hat das Unternehmen seine Rolle als zirkulärer Enabler weiter gestärkt. Eigene regionale Hubs zur Sortierung und Aufbereitung von Bauschutt ergänzen die Plattform, sodass nun nicht nur digital vermittelt, sondern auch physisch aufbereitet werden kann. Auch nicht-mineralische Stoffe wie Holz, Gips oder Dämmstoffe gehören inzwischen zum digitalen Stoffstrommanagement.

„Sowohl mineralische als auch nicht-mineralische Rohstoffe, die auf der Baustelle anfallen, werden von uns sorgfältig geprüft und entweder entsorgt oder wieder in den Kreislauf zurückgeführt“, erklärt Hülsewig. Das schafft neue Standards – und eine Grundlage für echtes, überprüfbares Recycling im Bau.

Nachhaltigkeit als Geschäftsmodell

Bei Schüttflix ist Kreislaufwirtschaft kein Nebenthema, sondern der Kern des Geschäftsmodells. Und es funktioniert: Für das Jahr 2025 erwartet das Unternehmen konsolidierte Umsatzerlöse von 175 Mio. Euro. Hinter diesem Wachstum steht ein Prinzip: Ressourcen schonen heißt nicht nur CO₂ sparen, sondern auch Kosten reduzieren, Abhängigkeiten von Rohstoffmärkten verringern und rechtliche Anforderungen einfacher erfüllen.

„Wir bieten mit unserem Unternehmen innovative Möglichkeiten, grüner, kostensparender und digitaler mit Baumaterialien umzugehen“, so Hülsewig. „Wer Bau- und Entsorgungskosten im Blick hat, spart nicht nur Geld, sondern leistet auch einen erheblichen Beitrag zum Umweltschutz.“

Gerade in Zeiten wachsender Nachhaltigkeitsanforderungen wird das Plattformmodell zum Wettbewerbsvorteil. Die digitale Dokumentation, Echtzeit-Transparenz und vorausschauende Logistik senken nicht nur Emissionen, sondern schaffen Vertrauen – bei Kunden, Partnern und Behörden.

Digitalisierung, die Kreisläufe schließt

Schüttflix zeigt, wie ein technologiegetriebener Ansatz Kreislaufwirtschaft nicht nur ermöglicht, sondern wirtschaftlich macht. Mit einer Mischung aus mutigem Unternehmertum, klarer Haltung und digitaler Infrastruktur hat das Unternehmen ein Geschäftsmodell geschaffen, das neue Maßstäbe für die Branche setzt. „Wir konzentrieren uns ganz auf die Bedürfnisse unserer Kunden und auf eine ressourcenschonende Bauwirtschaft“, sagt Hülsewig. „Themen wie Kreislaufwirtschaft und Emissionsreduktion stehen dabei ganz oben auf der Agenda.“

Das Beispiel zeigt: Kreislaufwirtschaft ist kein Zukunftsprojekt mehr – sondern Realität, wenn man sie konsequent mitdenkt. Und wer dabei die richtigen Tools einsetzt, kann daraus mehr gewinnen als nur gute Schlagzeilen: ein stabiles, zukunftssicheres Geschäftsmodell.