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Effizienz in der Brauerei: Ressourcen sparen durch Energiedatenüberwachung

Die Privatbrauerei Hohenfelde in Langenberg ist ein traditionsreiches, familiengeführtes Unternehmen, das seit 1845 besteht. Trotz Herausforderungen im Brauereimarkt, wie dem sinkenden Pro-Kopf-Konsum, hartem Wettbewerb und den Nachwirkungen der Coronakrise hat die Brauerei konsequent auf Nachhaltigkeit und Energieeffizienz gesetzt. Diese Strategie hilft nicht nur, die Umwelt zu schonen, sondern stärkt auch die wirtschaftliche Stabilität des Betriebs mit seinen knapp 30 Mitarbeitenden.

Auf einen Blick

26 Jahre Erfahrung in Energieüberwachung: Die Privatbrauerei Hohenfelde erfasst seit 1999 systematisch Energiedaten. Durch digitale Visualisierung können Potenziale sichtbar gemacht werden.

Kleine Maßnahmen, große Wirkung: Mit cleveren Lösungen wie der Wiederverwertung von Fegedampf, der Abschaltung eines Rührwerks im Eiswasserbecken oder der Optimierung der Druckluftnutzung reduziert die Brauerei ihren Energiebedarf.

Tradition und Innovation vereint

„Unsere Stärke liegt in der Regionalität und den engen persönlichen Kontakten“, erklärt Heiko Krome, technischer Leiter der Brauerei. Mit einem Vertriebsgebiet von etwa 45 Kilometern „um den Schornstein“ legt die Brauerei besonderen Wert auf kurze Wege und eine starke Verbindung zur lokalen Gemeinschaft. Gleichzeitig kombiniert sie traditionelle Werte mit modernen Technologien, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Der aktuelle Generationenwechsel in der Geschäftsführung zeigt, wie wichtig es ist, langfristig zu denken und das Unternehmen zukunftsfähig zu gestalten. „Wir haben stets darauf geachtet, gezielte Maßnahmen umzusetzen, die sowohl ökologische als auch ökonomische Vorteile bringen“, betont Krome. Effizienz hat dabei immer schon eine große Rolle gespielt. „Eine Brauerei ist sehr komplex. Wir haben ja alles: Wärme, Kälte, Druckluft, Kohlensäure, Wasser, Abwasser. Da ist von allem etwas dabei.“ Umso wichtiger ist ein guter Überblick über alle Kennzahlen.

Der Weg zur Energieüberwachung: Ein kleiner Schritt mit großer Wirkung

Die systematische Messung und Überwachung von Energiedaten ist das Herzstück der Energieeffizienzstrategie der Brauerei Hohenfelde. Bereits 1999 begann das Unternehmen, Zählerstände manuell zu erfassen und wöchentlich in Excel-Tabellen zu übertragen. „Damals hatten wir noch zwei verschiedene Stromverträge und wollten den Nachtstromanteil bei mindestens 55 % halten“, erklärt Krome. Diese einfache Methode legte den Grundstein für ein tieferes Verständnis der Energieflüsse und erlaubte es, erste Kennzahlen wie den Energieverbrauch pro 1.000 abgefüllte Flaschen zu entwickeln. Heute ist dieser Prozess nahezu vollständig automatisiert und aus 15 Messstellen wurden inzwischen mehr als 70 überwachte Werte. Digitale Systeme erfassen den Verbrauch und die Daten werden grafisch dargestellt. „Die Visualisierung hilft uns, Auffälligkeiten frühzeitig zu erkennen und gezielt einzugreifen“, betont Krome.

Durch die umfangreiche Energiedatenüberwachung kann etwa die Druckluftkurve regelmäßig analysiert werden, um potenzielle Probleme frühzeitig zu erkennen. „Die kontinuierliche Kontrolle ermöglicht es uns, Leckagen schnell zu identifizieren und zu beheben. Das spart nicht nur Energie, sondern erhöht auch die Effizienz der gesamten Anlage.“ Druckluftsysteme sind in vielen Industrien ein bedeutender Kostenfaktor. In der Brauerei Hohenfelde wurden spezielle Maßnahmen ergriffen, um den Energieverbrauch in diesem Bereich weiter zu reduzieren. „Wir haben Ventile an den Verbrauchsstellen installiert, die außerhalb der Betriebszeiten geschlossen werden“, erläutert Krome. Diese einfache Maßnahme verhindert Verluste durch Leckagen und hat den Gesamtverbrauch dadurch erneut gesenkt.

Kreative Lösungen im Prozess suchen

Nachhaltigkeit ist ein fester Bestandteil der Brauereiphilosophie. Bereits in den 1990er-Jahren wurden Rückgewinnungssysteme für Energie installiert, um den Verbrauch fossiler Brennstoffe zu reduzieren. Ein aktuelles Beispiel ist die Nutzung von sogenanntem „Fegedampf“, der als Nebenprodukt bei der Kesselwasseraufbereitung entsteht. „Anstatt diesen Dampf entweichen zu lassen, setzen wir ihn für unsere Energiespeicher ein. Diese Speicher brauchen wir meist nur montags bis mittwochs, je nach Ausstoßlage. Statt diese Speicher dann abkühlen und montags wieder aufheizen zu müssen, nutzen wir den Dampf, um die Temperatur konstant oben zu halten“, erklärt Krome. Dadurch reduziert sich der Energiebedarf für Produktionsstarts. Verbleibende Wärme wird dann noch durch eine kleine Raumheizung verwertet.

Ein weiteres Beispiel betrifft das Eiswasserbecken der Brauerei. „Früher wurde das Becken von einem 2-kW-Rührwerk kontinuierlich durchmischt, damit sich kein großer Eisblock bildet – 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr. Das hat hohe Energieverbräuche verursacht“, erinnert sich Krome. „Wir haben die Strömung mit einigen Ventilen nachgebildet und konnten das Rührwerk dann stilllegen.“ Den Impuls, hier genauer hinzuschauen, gaben die genauen Zählerdaten.

Das Hinterfragen von Verbräuchen macht auch vor vom Hersteller vorkonfigurierten Maschinen nicht halt. Die Anlage zur Reinigung gebrauchter Fässer verbrauchte anfangs zum Beispiel für jeden Waschgang 30 Liter Heißwasser. Durch ein ständiges Tüfteln, Auswerten und Nachbessern reichen hier inzwischen auch 16 Liter – eine Reduktion um fast 50 Prozent. „Solche Maßnahmen erfordern kein großes Budget, sondern eine Kombination aus Kreativität und technischem Verständnis“, fügt Krome hinzu. Das geht auch mal ganz spontan: „Einer unserer Mitarbeiter sagte eines Tages: »Wir müssten da mal eine Schlaufe reinlegen, in die Behälter, und gucken, ob das funktioniert.« Dann haben wir es am nächsten Tag ausprobiert und konnten eine Woche später sagen, ja, das funktioniert. Das macht einfach Spaß.“ Diese pragmatische Herangehensweise spiegelt die langfristige Vision des Unternehmens wider, wirtschaftlich und ökologisch nachhaltige Prozesse zu schaffen.

Herausforderungen und Erfolgsfaktoren

Die Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen ist oft mit Herausforderungen verbunden. „Man muss bereit sein, zu experimentieren und aus Fehlern zu lernen“, so Krome. Nicht jede Idee bringt den gewünschten Erfolg, aber Beharrlichkeit zahlt sich aus. „Der Einstieg in die Energieeffizienz muss nicht kompliziert sein“, betont Krome. „Schon einfache Maßnahmen wie die regelmäßige Erfassung von Energieverbrauchsdaten können erste Erfolge bringen. Mit der Zeit lassen sich die Prozesse dann weiter verfeinern und optimieren.“ Über große Investitionen nachzudenken empfiehlt Krome erst, wenn mit den vorhandenen Maschinen und Prozessen alle Potenziale ausgeschöpft sind.

Diese Potenziale werden nicht nur über die Energiedatenüberwachung identifiziert, auch der Austausch mit anderen Unternehmen bringt neue Ideen. „Plattformen wie die Effizienz-Agentur NRW bieten uns wertvolle Einblicke und die Möglichkeit, gute Beispiele zu teilen“, sagt Krome. „Der Dialog mit Kollegen inspiriert und zeigt oft praxisnahe Lösungen, die sich adaptieren lassen.“ Die Privatbrauerei Hohenfelde zeigt, wie Unternehmen durch eine Kombination aus Tradition, Innovation und einem klaren Fokus auf Energieeffizienz langfristig erfolgreich bleiben können. Kromes Rat an andere Unternehmen: „Fangen Sie einfach an und bleiben Sie dran. Die Summe vieler kleiner Maßnahmen kann einen großen Unterschied machen.“