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Energieeffiziente Gebäude bei Phoenix Contact: Wie sich Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit vereinen lassen

Der Betrieb von Gebäuden verursacht in Deutschland etwa 35 Prozent des Endenergieverbrauchs und etwa 30 Prozent der CO₂-Emissionen. Bestandsgebäude energieeffizient zu sanieren und Neubauten nachhaltig zu gestalten schont also sowohl den Geldbeutel als auch die Umwelt. Phoenix Contact, ein weltweit tätiges Unternehmen für Automatisierungstechnik und industrielle Elektrotechnik, zeigt, wie es gelingen kann. In Blomberg setzt das Unternehmen konsequent auf innovative Energiesparkonzepte – sowohl bei der Sanierung älterer Gebäude als auch bei der Errichtung neuer Büro- und Produktionsflächen wie der All Electric Society Factory (siehe oben).

Das Ziel: eine langfristig nachhaltige, wirtschaftliche und zukunftsfähige Gebäudeinfrastruktur, die den Energieverbrauch senkt, Emissionen reduziert und den Mitarbeitenden ein angenehmes Arbeitsumfeld bietet. Dabei können schon vergleichsweise günstige Maßnahmen große Effekte erzielen.

Auf einen Blick

1 Million kWh Stromersparnis pro Jahr – Durch die Umstellung auf LED-Beleuchtung konnte Phoenix Contact allein in einem Produktionsgebäude bereits enorme Energieeinsparungen erzielen.

70.000 kWh Einsparung pro Wochenende – Durch eine intelligente und datenbasierte Kopplung der Lüftungssteuerung an die Druckluftnutzung wurde unnötiger Energieverbrauch in der Produktion drastisch reduziert.

Ganzheitlicher Ansatz für energieeffiziente Gebäude – Phoenix Contact kombiniert energetische Sanierung, innovative Neubauten und die aktive Einbindung der Mitarbeitenden, um langfristig nachhaltige und wirtschaftliche Lösungen zu schaffen.

Energetische Sanierung: Wo ansetzen?

Ein Großteil der bestehenden Büro- und Produktionsgebäude stammt aus Zeiten, in denen Energieeffizienz noch kein zentraler Faktor in der Bauplanung war. Im Vergleich zu modernen Ansätzen zeigt sich schnell ein großer Handlungsbedarf. Aber wie identifiziert man dort die größten Einsparpotenziale? „Wir haben für alle unsere Standorte Aktionspläne erstellt, in denen sämtliche potenziellen Maßnahmen erfasst sind“, erklärt Stefan Gottschalk, verantwortlich für das Energiemanagement bei Phoenix Contact. „Diese Maßnahmen bewerten wir nach Wirtschaftlichkeit, Einsparpotenzial und technischer Machbarkeit – erst dann entscheiden wir, welche wir umsetzen.“

Dabei hilft eine einfache, aber wirkungsvolle Priorisierung: Technische Maßnahmen wie der Austausch von ineffizienten Pumpen, Druckluftsystemen oder Beleuchtung sind oft mit geringem Aufwand realisierbar und liefern schnelle Ergebnisse. „In unserem größten Produktionsgebäude haben wir durch die Umstellung auf LED-Beleuchtung allein 1 Million kWh Strom pro Jahr eingespart“, berichtet Gottschalk. Zusätzlich hat Phoenix Contact in moderne Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen investiert, um den Energieverbrauch weiter zu senken. Durch den Einbau intelligenter Steuerungssysteme können Wärme und Kälte bedarfsgerecht geregelt werden, was zusätzliche Einsparungen ermöglicht.

Ein besonderer Fokus liegt auf der Nutzung von Abwärme. „Bei neuen Gebäuden prüfen wir immer, wie wir vorhandene Abwärmeströme aus Bestandsgebäuden nutzen können“, erläutert Gottschalk. „Das spart nicht nur Energie, sondern reduziert auch den CO₂-Ausstoß erheblich.“ Dieses Konzept wird beispielsweise beim neuen Gebäude 70 angewendet, das über eine gezielte Wärmerückgewinnung mit angrenzenden Produktionsstätten verbunden wird.

Aufwändigere Maßnahmen wie die Dämmung von Fassaden oder Dachflächen müssen hingegen gut überlegt sein – die Sanierung der Gebäude rechnet sich nur in den wenigsten Fällen, so Gottschalk weiter.

 

Einbindung der Mitarbeitenden als Erfolgsfaktor

Energetische Sanierung und Effizienzsteigerung sind aber nicht nur eine Frage der Technik – auch die Menschen im Unternehmen spielen eine zentrale Rolle. „Wir setzen auf eine breite Beteiligung“, sagt Matthias Unruhe, Leiter des technischen Facility Managements. Mitarbeitende können über eine Feedbackbox oder interne Plattformen Vorschläge einreichen, die zur Maßnahmensammlung hinzugefügt, dann bewertet und, wenn sinnvoll, umgesetzt werden. „Die besten Optimierungsmaßnahmen kommen oft direkt aus den Produktionsbereichen“, so Unruhe. Denn wer täglich mit den Maschinen und Anlagen arbeitet, erkennt oft am schnellsten, wo Energie eingespart werden kann.

Ein Beispiel für eine effektive Prozessoptimierung: „Wir haben festgestellt, dass Lüftungsanlagen am Wochenende oft unnötig liefen, weil Schichten zunächst angemeldet, dann aber nicht angetreten wurden – ohne Abmeldung“, erläutert Gottschalk. Durch die Kopplung der Lüftungssteuerung an den Druckluftverbrauch konnte dieser Missstand behoben werden. Dabei dient der Druckluftverbrauch als Indikator, ob tatsächlich gearbeitet wird. Wird keine Druckluft verbraucht, wurde die Schicht offenbar nicht angetreten und die Produktionsumgebung kann auf „Standby“ gestellt werden – mit einer Einsparung von bis zu 70.000 kWh pro Wochenende.

Um das Bewusstsein für Energieeinsparungen weiter zu schärfen, führt Phoenix Contact regelmäßig Schulungen und Workshops durch. „Mitarbeitende, die den Nutzen verstehen, sind eher bereit, sich aktiv an Einsparmaßnahmen zu beteiligen“, erklärt Unruhe. Zudem werden Energiekennzahlen transparent kommuniziert, sodass alle im Unternehmen sehen können, welche Fortschritte erzielt wurden.

All Electric Society Factory: Zukunftsweisende Bauweise für maximale Effizienz

Neben der Sanierung von Bestandsgebäuden setzt Phoenix Contact auch bei Neubauten auf nachhaltige Konzepte. Das jüngste Beispiel ist Gebäude 60, das unter dem Namen „All Electric Society Factory“ als Vorzeigeprojekt für energieeffizientes Bauen dient. „Wir wollten ein Gebäude schaffen, das als Blaupause für künftige Bauprojekte dienen kann“, sagt Unruhe.

Die „All Electric Society Factory“ setzt auf eine Kombination aus innovativen Technologien und bewährten Methoden. Eine zentrale Rolle spielt die Eisspeicher-Technologie, die eine innovative Möglichkeit bietet, um Energie für Heizung und Kühlung zu nutzen. Ein weiteres Konzept ist das DC-Netz (Gleichstromnetz), bei dem Energie aus Photovoltaikanlagen direkt genutzt wird, anstatt sie über einen Wechselrichter ins AC-Netz umzuwandeln. Die Folge: Durch die Minimierung der Umwandlungsverluste wird die Effizienz gesteigert. Hinzu kommt eine intelligente Gebäudeautomation mit Sensoren und KI-gestützten Steuerungssystemen, die den Energieverbrauch dynamisch an die Nutzungssituation anpassen.

Bereits in der Planungsphase wurden die Mitarbeitenden eingebunden, um deren Bedürfnisse optimal zu berücksichtigen. „Die integrale Zusammenarbeit zwischen Architekten, Planern und den zukünftigen Nutzern war entscheidend“, betont Unruhe. „Nur wenn alle Beteiligten von Anfang an einbezogen sind, lassen sich wirklich nachhaltige und wirtschaftliche Lösungen umsetzen.“

Die nächste Herausforderung im Blick

Die größte Aufgabe beim Thema Energieeffizienz ist für Phoenix Contact die Wärmewende. „Unser Ziel ist es, unsere CO₂-Emissionen im Einklang mit den Science Based Targets zu reduzieren, um die globale Erwärmung auf unter 2 Grad zu begrenzen. Derzeit decken wir jedoch einen Großteil unseres Wärmebedarfs noch mit Gas oder Öl“, so Unruhe. Die Lösung sieht das Unternehmen in einer Kombination aus erneuerbaren Energien, Wärmepumpen und intelligenter Steuerungstechnik. Zudem wird untersucht, wie sich überschüssige Energie aus Photovoltaikanlagen gezielt speichern oder für andere Prozesse nutzen lässt. „Ein Student hat sich im Rahmen seiner Masterarbeit kürzlich mit diesem Thema befasst, und wir setzen weiterhin auf externe Expertise, um unser Energiesystem optimal zu gestalten“, ergänzt Gottschalk.

So gelingt die Reduktion von Energieverbräuchen im Gebäudebetrieb

Phoenix Contact hat aus seinen Projekten wertvolle Erkenntnisse gewonnen. Besonders schnell umsetzbare und effektive Maßnahmen sind:

  • Optimierung der Betriebszeiten: Eine Analyse der Gebäudenutzung hat gezeigt, dass viele Anlagen unnötig lange in Betrieb sind. Eine einfache Anpassung der Laufzeiten von Lüftungs- und Heizungsanlagen kann große Einsparungen bringen.
  • Mitarbeitende aktiv einbinden: Ein internes Vorschlagswesen und regelmäßige Schulungen sorgen dafür, dass Ideen aus der Belegschaft in konkrete Maßnahmen überführt werden.
  • Daten nutzen, bevor investiert wird: Die detaillierte Analyse von Energieverbrauchsdaten zeigt oft bereits Optimierungspotenziale auf, ohne dass direkt neue Technik angeschafft werden muss.

„Man muss es einfach wollen“, resümiert Gottschalk. „Es gibt immer wirtschaftliche Argumente dagegen. Aber wenn man die langfristige Perspektive einnimmt, zahlt sich nachhaltiges Bauen und Sanieren aus – für die Umwelt und für das Unternehmen.“