Die Analyse war der Ausgangspunkt für eine systematische Umstellung. Zuerst wurden die größten Energieverbraucher identifiziert und bewertet, anschließend Maßnahmen entwickelt, die ohne teure Investitionen auskamen. „Unsere oberste Regel lautete: erst Energie reduzieren, bevor man neue Technik anschafft“, erklärt Stricker. So wurden zunächst die Galvanikbecken isoliert und abgedeckt, um Wärmeverluste zu vermeiden. Pumpenleitungen erhielten eine Dämmung, Abwärme aus den Prozessen wurde zurückgeführt. Der Effekt war beachtlich: Im Vergleich zu 2021 sank der Zukauf von Energie um rund 30 Prozent – und das vor allem durch organisatorische und technische Feinjustierungen sowie die eigene PV-Anlage.
Besonders eindrucksvoll zeigt sich das Prinzip der Energieeffizienz bei der Kompressoranlage. Früher liefen zwei getrennte Systeme in den beiden Werken des Unternehmens, heute gibt es einen zentralen Hauptkompressor, der beide Hallen mit Druckluft versorgt. Seine Abwärme nutzt Fichtner & Schicht, um die Gebäude zu heizen. Die alte Gasheizung ist nur noch Reserve für Spitzenzeiten. „Viele unterschätzen, dass Kompressoren im Grunde große Heizkraftwerke sind“, sagt Stricker. Neben den eingesparten Kosten profitiert auch das Arbeitsklima: Durch geringere Luftfeuchtigkeit und niedrigere Temperaturen ist die Arbeit in den Hallen angenehmer geworden – ein Effekt, der sich auch auf Motivation und Gesundheit der Mitarbeitenden auswirkt.
Bis 2030 will Fichtner & Schicht CO₂-neutral wirtschaften – zunächst für die eigenen Emissionen aus Strom- und Wärmeverbrauch (Scope 1 und 2). Dabei helfen langfristige Verträge für grünen Strom sowie weitere Elektrifizierungsprojekte. Die restlichen Emissionen sollen durch gezielte Kompensationsmaßnahmen ausgeglichen werden. Langfristig denkt Stricker auch an Kreislaufwirtschaft: Nickel, das in der Galvanoformung eingesetzt wird, könnte in Zukunft zurückgewonnen und wiederverwendet werden. „Das wäre meine Wunschvorstellung“, sagt er. „Aber dafür braucht es die Bereitschaft der großen Industriekunden, solche Modelle mitzutragen.“