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Nachhaltig sauber: Wie Bio-Circle Kreislaufwirtschaft in die Praxis bringt

Als die Ingenieure Ulrich und Manfred Berens 1985 in einer Garage in Verl mit wässrigen Schweißtrennmitteln experimentierten, war Nachhaltigkeit in der Industrie noch kein Thema. Heute zählt die Firma Bio-Circle Surface Technology GmbH aus Gütersloh zu den Pionieren für umweltschonende Industrie-Reinigungssysteme. Wie ist es Bio-Circle gelungen, nachhaltige Produkte in einem traditionell konservativen Markt zu verkaufen? „Viele denken anfangs: Wenn es nicht stinkt und knallt, dann wirkt es nicht“, erinnert sich Lukas Potthoff, Business Development Manager bei Bio-Circle. „Aber genau das wollten wir widerlegen. Unsere Reiniger funktionieren – und stinken nicht.“

Auf einen Blick

Bis zu 80 % weniger Lösemittel: Kennzeichnungsfreie Reiniger reduzieren Chemikalienverbrauch und Entsorgungskosten.

Lebendige Reinigung: Mikroorganismen bauen Ölreste biologisch ab und bleiben lange einsatzbereit.

40 Jahre Erfahrung: Bio-Circle zeigt, wie nachhaltige Produkte in der Industrie zum Standard werden können.

Mikroorganismen als lebendige Mitarbeiter

Im Zentrum steht eine Idee, die Kreislaufwirtschaft buchstäblich sichtbar macht: Reinigungsgeräte wie Waschtische werden mit speziellen Bio-Reinigern befüllt. Hier arbeiten Mikroorganismen in einer 41 °C warmen Flüssigkeit daran, Öl- und Fettrückstände an Maschinenteilen zu verstoffwechseln – also biologisch abzubauen. „Diese Mikroorganismen sind quasi lebende Mitarbeiter“, sagt Potthoff schmunzelnd. „Sie bauen jeden Tag rund einen halben Liter Öl ab, ganz ohne chemische Lösemittel.“

Der Clou: Das Reinigungssystem arbeitet im geschlossenen Kreislauf. Das Öl wird biologisch abgebaut oder an der Oberfläche abgeschieden, während der Reiniger erneut verwendet werden kann – ein geschlossener Reinigungskreislauf. So verlängert sich die Standzeit der Reinigungsbäder um ein Vielfaches. Nicht das „grüne Label“ überzeugt, sondern die Kombination aus Effizienz, Sicherheit und Kostenersparnis.

Wie Bio-Circle Kundenvorbehalte abbaut

Potthoff kennt die typischen Zweifel vieler Industrieunternehmen: „Kunden fragen oft: Funktioniert das wirklich? Und lohnt sich das trotz des Preises?“ Seine Antwort: Vergleichsdaten und Erfahrungswerte. „Wir schauen uns den gesamten Prozess beim Kunden an – von Verbrauch über Entsorgung bis Stillstandzeiten. Wenn wir zeigen, dass ein Reinigungsbad doppelt so lange hält, rechnet sich das Produkt meist schon nach wenigen Wochen.“ Der Schlüssel liegt also nicht im Preis pro Liter, sondern im Gesamtprozess. Dieses Denken – vom Produkt- zum Systemverkauf – ist laut Potthoff entscheidend, um nachhaltige Lösungen im Markt zu etablieren.

Ein weiterer Erfolgsfaktor: Bio-Circle appelliert nicht an das schlechte Gewissen, sondern an den praktischen Nutzen. Höhere Arbeitssicherheit, dank Kennzeichnungsfreiheit keine Gefahrstofflagerung, längere Nutzungszeiten – das sind Argumente, mit denen sich Einkäufer überzeugen lassen. „Nachhaltigkeit verkauft sich nicht, weil sie gut klingt, sondern weil sie Prozesse vereinfacht und Kosten spart“, fasst Potthoff zusammen. Gerade in langjährig bestehenden Betrieben, in denen häufig über Jahrzehnte die gleichen, lösemittelbasierten Reinigungsprodukte eingekauft werden, hilft ein solcher lösungsorientierter Kommunikationsansatz, um Vorurteile ab- und Vertrauen aufzubauen.

Offenheit als Wettbewerbsvorteil

Auch in anderen Unternehmen beobachtet Potthoff einen Wandel: Immer häufiger kommen Anfragen von Kunden, die von sich aus umstellen wollen – getrieben von Nachhaltigkeitszielen, rechtlichen Vorgaben oder einfach dem Wunsch jüngerer Mitarbeitender, „anders zu arbeiten“.

Was Bio-Circle daraus gelernt hat: Der Markt ändert sich nicht von allein – aber Offenheit beschleunigt Veränderung. „Viele Entscheider denken noch in alten Mustern“, sagt Potthoff. „Aber wer bereit ist, Neues zu testen, erkennt schnell, dass nachhaltige Lösungen nicht Verzicht bedeuten, sondern Fortschritt.“ Dieser Mut zum Ausprobieren ist es, auf den es besonders ankommt: „Try and fail fast“ – lieber kleine Pilotprojekte als große Ankündigungen.

Das Unternehmen überträgt seine Prinzipien auch auf sich selbst: Der Standort Gütersloh arbeitet mit eigener Photovoltaikanlage, E-Ladesäulen und Verpackungen aus Recyclingkunststoff. Auch bei den Rohstoffen wird möglichst nur bezogen, was biologischen Urprungs ist – ein Beispiel für gelebte Konsistenz. Solche Maßnahmen wirken nach außen glaubwürdig, weil sie zeigen, dass Nachhaltigkeit nicht nur verkauft, sondern auch praktiziert wird.

Nachhaltigkeit verkauft sich – wenn sie funktioniert

Bio-Circle zeigt, dass nachhaltige Produkte keine Nische, sondern ein Zukunftsmodell sind – wenn Technik, Wirtschaftlichkeit und Haltung zusammenkommen. Oder wie Potthoff es formuliert: „Für uns bedeutet Nachhaltigkeit zukunftsfähiges Arbeiten – für die Umwelt, aber auch für die Menschen, die mit unseren Reinigern tagtäglich umgehen.“