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Stahl mit Haltung: Wie BENTELER Verantwortung in der Stahlindustrie neu definiert

Stahl gilt als Sinnbild industrieller Stärke – aber auch als einer der größten CO₂-Verursacher. Die BENTELER-Gruppe mit Wurzeln in Paderborn zeigt, dass beides zusammengeht: Heimische Stahlproduktion und Verantwortung. Seit fast 150 Jahren steht BENTELER für Qualität in Stahl, Rohr und Automobiltechnik. Weltweit beschäftigt das Familienunternehmen rund 20.000 Mitarbeitende und gliedert sich in vier Geschäftsbereiche: Automotive Components, Automotive Modules, HOLON und Steel/Tube. Mit der Produktmarke CliMore treibt das Unternehmen den Wandel zu einer klimafreundlicheren Stahlproduktion voran und beweist, dass nachhaltiger Fortschritt aus Haltung entsteht.

Im Bereich Steel/Tube werden Stahl und daraus geschweißte und nahtlose Rohre hergestellt – unter anderem für die Automobil- und Energieindustrie. Das Besondere: „Wir bilden die gesamte Wertschöpfungskette ab – vom Schrott bis zum Rohr. Das ist unsere Stärke“, erklärt Thomas Begemann, Director Strategy/Communication & Innovation bei BENTELER Steel/Tube.

Auf einen Blick

Bis zu 85 % weniger CO₂: Im Elektrostahlwerk in Lingen recycelt BENTELER Stahlschrott und reduziert Emissionen deutlich gegenüber der klassischen Hochofenroute.

Nachhaltigkeit mit System: Unter der Marke CliMore bietet BENTELER CO₂-reduzierte Stahlrohre in drei transparenten Produktklassen an – von Advantage bis Excellence.

Klarer Kurs in die Zukunft: Bis 2040 will BENTELER CO₂-neutral produzieren und zeigt, wie sich Tradition und industrielle Transformation erfolgreich verbinden lassen.

BENTELER als First Mover bei nachhaltigen Stahl

BENTELER ist ein Familienunternehmen in fünfter Generation. Das prägt die Denkweise. „Verantwortung liegt in unserer DNA“, sagt Begemann. „Das Thema Nachhaltigkeit umfasst bei uns seit jeher den respektvollen Umgang mit Partnern, Lieferanten und Kunden – auch wenn es früher noch nicht so hieß.“ In den letzten Jahren hat sich das Thema weiterentwickelt. Neben sozialen und gesellschaftlichen Aspekten steht heute der Klimaschutz im Mittelpunkt. Spätestens seit 2018 beschäftigt sich BENTELER strategisch mit der Frage, wie Stahlproduktion klimaverträglicher werden kann.

Aus dieser Auseinandersetzung entstand die Marke CliMore – eine Zusammensetzung aus Climate und more. Sie steht für die Ambition, mehr zu tun als gefordert: mehr für das Klima, mehr für die Gesellschaft, mehr für die Nachhaltigkeit der Kunden. CliMore ist dabei weit mehr als ein Label. Es ist ein System, das Transparenz schafft. Denn was „grüner Stahl“ genau bedeutet, war im Markt lange unscharf umrissen. BENTELER hat deshalb drei klar definierte Produktstufen eingeführt:

  • CliMore Advantage: Elektrostahl aus recyceltem Stahlschrott.
  • CliMore Ambition: Elektrostahl aus recyceltem Stahlschrott unter Einsatz von Ökostrom.
  • CliMore Excellence: Elektrostahl aus recyceltem Stahlschrott unter Einsatz von Ökostrom und grünem Wasserstoff.

„Transparenz ist uns besonders wichtig“, erklärt Begemann. „Unsere Kunden wissen genau, welche CO₂-Mengen in den jeweiligen Stufen stecken – und können entscheiden, welchen Beitrag sie selbst leisten wollen.“

 

Technologischer Fortschritt mit Augenmaß

Ein Schlüssel zur CO₂-Reduktion liegt im Elektrolichtbogenofen in Lingen. Statt Eisenerz wird dort bereits seit 1974 ausschließlich Stahlschrott eingeschmolzen, was rund 75 Prozent weniger CO₂ verursacht als die konventionelle Hochofenroute. Mit Grünstrom steigt die Einsparung auf bis zu 85 Prozent.

Für die Zukunft prüft BENTELER verschiedene Wege: die Elektrifizierung von Anlagen oder den Einsatz von Wasserstoff als Energieträger. Beide Optionen sind technisch möglich, aber teuer. Der Umbau der Produktion erfordert je nach Szenario Investitionen im dreistelligen Millionenbereich – ein Projekt über Jahrzehnte. Politische Stabilität sieht er daher als entscheidenden Faktor: „Für diese enormen Investitionen brauchen wir Planungssicherheit. Gleichzeitig wollen wir nicht erst 2035 oder 2040 starten, sondern schon jetzt handeln“, sagt Begemann. Deshalb wird CliMore Excellence bereits heute angeboten – zunächst über Herkunftsnachweise für Strom und Gas sowie Prozessoptimierungen wie den Einsatz von Biokohle.

Ein zentraler Baustein auf diesem Weg ist Wasserstoff. Doch die Verfügbarkeit bleibt das größte Hindernis. „Grüner Wasserstoff ist derzeit fünf- bis sechsmal teurer als Erdgas“, erklärt Begemann. „Und im Raum Ostwestfalen fehlen bisher die Anbindungen ans Wasserstoffnetz.“ Ohne diese Infrastruktur wäre der logistische Aufwand enorm. Allein der Standort Schloss Neuhaus, gelegen im Ortskern des Paderborner Stadtteils, würde rund 30 LKW-Ladungen Wasserstoff pro Tag benötigen. Eine Menge, die nur über Pipelines zu bewältigen ist.

Parallel arbeitet BENTELER an eigenen Innovationen. Unter dem Namen High Resist entwickelt das Unternehmen Rohrlösungen, die Wasserstoff sicher transportieren können, ohne dass er durch den Stahl diffundiert – ein Beitrag zur künftigen Energieinfrastruktur.

Ein Kulturwandel im Unternehmen

All das zeigt: Bei BENTELER denkt man langfristig. Nachhaltigkeit ist damit nicht nur ein Image-Projekt. Es ist Teil der Unternehmenskultur geworden. „Am Anfang gab es schon das ein oder andere erstaunte Gesicht, als ich das erste Mal ,grüner Stahl' sagte“, erinnert sich Begemann. „Aber das Thema ist gekommen, um zu bleiben.“ Heute identifizieren sich viele Mitarbeitende stark mit dem Thema. In allen Bereichen entstehen Ideen, wie Prozesse effizienter und umweltfreundlicher werden können. „Diese intrinsische Motivation ist ein echter Erfolgsfaktor“, sagt Begemann. „Wir merken, dass die Belegschaft stolz ist, Teil dieses Wandels zu sein.“

Klar ist aber auch: Nachhaltigkeit rechnet sich nicht immer von heute auf morgen. CO₂-reduzierter Stahl ist teurer – und die Nachfrage schwankt. „Vor zwei, drei Jahren war das Thema ein richtiger Hype“, sagt Begemann. „Heute ist die Nachfrage etwas verhaltener.“ Ursache seien hohe Energiepreise, geopolitische Unsicherheiten und ein rückläufiger Automobilmarkt. „Unsere Kunden sind preisgetrieben, und grüne Produkte kosten nun mal mehr“, so Begemann. Er zieht einen Vergleich: „Wenn ich mich als Verbraucher dazu entscheide, einen Neuwagen aus CO₂-reduziertem Stahl zu kaufen, reden wir über einen Preisaufschlag im Wert einer Metallic-Lackierung. Da muss am Ende jeder selbst wissen, wo man sein Häkchen setzt.“

Auch bei BENTELER liegt die Entscheidung beim Kunden: Wer will, kann CliMore-Produkte buchen – inklusive Zertifikat über den CO₂-reduzierten Stahl. Wer nicht, erhält konventionelle Ware. „So können unsere Kunden selbst wählen, welchen Weg sie gehen wollen“, sagt Begemann.

Strategie mit Fokus

Diese Maßnahmen bei BENTELER sind Bausteine einer Nachhaltigkeitsstrategie, die sich an den 17 Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen (SDGs) orientiert. Eine Wesentlichkeitsanalyse hilft, die relevanten Themen zu priorisieren. Besonders im Blick hat BENTELER seine Einflüsse auf Klimawandel, Wasser und Abwasser, Recycling, faire Arbeitsbedingungen, Menschenrechte und Governance – sowohl in Deutschland, als auch weltweit. „Man muss nicht alle 17 Ziele bedienen – entscheidend ist, die richtigen Themen für das eigene Unternehmen zu finden“, so Begemann.

Die Ziele sind ambitioniert:

  • 50 % Emissionsreduktion in der Produktion bis 2030
  • 30 % weniger Scope 3 Emissionen
  • CO₂-Neutralität in Scope 1 und 2 bis 2040

Zentral ist dabei eine solide Datengrundlage. „Man muss erst wissen, wo man steht, bevor man weiß, wohin man will“, sagt Begemann. Für andere Industrieunternehmen kann der Weg von BENTELER als Blaupause dienen. Nachhaltige Transformation erfordert Fokus, Datenqualität, Investitionen – und vor allem Durchhaltevermögen. „Es ist ein Marathon, kein Sprint“, sagt Begemann. „Man braucht Mut, Geduld und den Willen, weiterzumachen – auch dann, wenn es schwierig wird.“

Mit CliMore hat BENTELER eine klare Antwort auf die Herausforderungen der Zeit gefunden. Der Weg zu CO₂-reduziertem Stahl ist nicht einfach, aber machbar. Das Unternehmen zeigt, dass nachhaltiger Wandel aus technischer Kompetenz, Verantwortung und unternehmerischer Konsequenz entsteht. „Stahl aus Deutschland hat Zukunft“, sagt Thomas Begemann. „Aber nur, wenn wir die Weichen für den Wandel jetzt stellen.“