Die Idee ist einfach, nachhaltig und bisher einzigartig: Der REGIONALE-Projektkandidat Linien-E-Carsharing ist ein flexibles und komfortables Mobilitätsangebot an die Menschen in Borgholzhausen. Dort gibt es demnächst Carsharing-Elektro-Autos, die auf einigen Strecken in Verbindung mit einem ÖPNV-Ticket kostenlos genutzt werden können. Zur Umsetzung dieses innovativen Projekts hat Verkehrsminister Hendrik Wüst der Stadt Borgholzhausen einen Förderbescheid in Höhe von 1.020.000 Euro überreicht. Das Projekt zum Linien-E-Carsharing wurde im Landeswettbewerb „Mobil.NRW – Modellvorhaben innovativer ÖPNV im ländlichen Raum“ ausgezeichnet.
„Die Zukunft der Mobilität ist digital, vernetzt und automatisiert – auch in ländlichen und suburbanen Räumen. Eine Carsharing-Flotte aus E-Fahrzeugen auf festgelegten Strecken im ÖPNV anzubieten, ist eine tolle Ergänzung zum Linienverkehr. Eine kreative Idee für eine bessere, sichere und saubere Mobilität in Borgholzhausen“, sagte Verkehrsminister Hendrik Wüst.
Die Menschen in Borgholzhausen können ab Herbst mit einer kleinen Flotte von E-Fahrzeugen von der Mobilstation am Bahnhof der Stadt aus angrenzende Ortsteile selbst ansteuern. Das Besondere: Wenn ein E-Carsharing-Fahrzeug auf einer der festgelegten zentralen Strecken fährt, gilt auch im E-Auto der ÖPNV-Tarif ohne Aufpreis. So bekommen die Menschen, die in den umliegenden Siedlungen und Gewerbegebieten wohnen oder arbeiten, ein flexibles ÖPNV-Angebot. Fahrerinnen oder Fahrer können das Leihfahrzeug mit einem Ticket des WestfalenTarifs oder NRW-Tarifs als Zugangsberechtigung nutzen. Werden die vorgegebenen Carsharing-Linien verlassen, ist dies auch möglich – dann gilt allerdings ein üblicher Carsharing-Tarif.
„Das Konzept des Linien-E-Carsharing ist bisher einzigartig in Deutschland: Auf definierten Linien werden kleinere Siedlungen der Flächenkommune Borgholzhausen mit Elektro-Fahrzeugen an den vorhandenen ÖPNV angebunden. Man fährt selbst und kann andere mitnehmen – für Besitzerinnen und Besitzer eines Nahverkehrstickets kostenlos. Die Stadt Borgholzhausen ist glücklich, mit diesem Projekt einen besonderen Beitrag zur Erhöhung der Attraktivität von bezahlbarem Wohnraum in ländlichen Strukturen leisten zu können“, sagte der Bürgermeister von Borgholzhausen, Dirk Speckmann.
„Das Linien-E-Carsharing Borgholzhausen zeigt als eines der Pilotprojekte im Bereich On-Demand-Mobilität der REGIONALE 2022, wie Mobilität im ländlichen Raum zukünftig optimal mit dem ÖPNV verknüpft werden kann,“ erläutert Annette Nothnagel, Leitung REGIONALE 2022. „Es leistet in einem konkreten Experimentierfeld einen wesentlichen Beitrag zum UrbanLand und wir freuen uns sehr, dass es im Rahmen des Landeswettbewerbs unterstützt wird.“
Die Schaffung flexibler und bedarfsgesteuerter Mobilitätsangebote gehört zu den zentralen Maßnahmenempfehlungen der im November 2019 veröffentlichten Mobilitätsstrategie für das „UrbanLand OstWestfalenLippe“. Diese greift zentrale Themen wie multimodale Mobilität, flexible und bedarfsgesteuerte Mobilitätsangebote, Radverkehr und Logistik auf und gibt Orientierungshilfe für die Ausgestaltung der regionalen Mobilität von morgen. Die REGIONALE 2022 bietet dabei gute Möglichkeiten, anhand von Pilotprojekten zu zeigen, wie die Strategie umgesetzt werden kann.
Der Betrieb des Linien-E-Carsharing soll in der zweiten Jahreshälfte starten.
Hintergrund Landeswettbewerb:
Das Verkehrsministerium hat in einem Landeswettbewerb „Mobil.NRW – Modellvorhaben innovativer ÖPNV im ländlichen Raum“ Kommunen, kommunale Zweckverbände und SPNV-Aufgabenträger aufgefordert, innovative Konzepte für den ÖPNV im ländlichen Raum zu entwickeln.
Durch die Modellprojekte sollen Wege gefunden werden, wie in eher ländlich geprägten und suburbanen Räumen ÖPNV-Angebote neu geschaffen oder die bestehenden Angebote attraktiver werden können.
Insgesamt wurden 38 Projektvorschläge eingereicht. Eine Experten-Jury hat die Bestplatzierten ausgewählt. 15 Projekte profitieren nun von der Landesförderung.
Hintergrund ÖPNV-Offensive des Verkehrsministeriums:
Die Förderung von innovativen Modellvorhaben im ländlichen Raum ist Teil der ÖPNV-Offensive, die das Verkehrsministerium gestartet hat. Hierfür sind bis 2031 insgesamt 120 Millionen Euro eingeplant. Darüber hinaus stellt das Land bis 2031 eine Milliarde Euro für die dringend notwendige Erneuerung der Stadt- und Straßenbahnen zur Verfügung. Außerdem fließen in den nächsten zwölf Jahren rund 100 Millionen Euro in Schnellbus-Linien im ländlichen Raum. Rund 180 Millionen Euro investiert Nordrhein-Westfalen gemeinsam mit der Bahn und den Aufgabenträgern in ein robustes Schienennetz. Außerdem fördert das Verkehrsministerium die Reaktivierung stillgelegter Schienenstrecken.

Planskizze Linien-E-Carsharing-Parkplatz am Bahnhof Borgholzhausen | Abbildung: Stadt Borgholzhausen
Als eines von vier deutschlandweiten Modellen der „Kleinstadtakademie“ erhält der Zusammenschluss der OWL-Städte Nieheim, Marienmünster, Schieder-Schwalenberg mit Vlotho (NRW), Drebkau/Drojwk (Brandenburg) und der Hansestadt Seehausen, Altmark (Sachsen-Anhalt) eine Förderung aus dem Bundesprogramm „Experimenteller Wohnungs- und Städtebau (ExWoSt)“ in Höhe von rund 335.000 Euro. Die Bewilligung wurde jetzt durch das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung ausgesprochen. Damit sollen Lösungen für die Aktivierung von Bestandsimmobilien und Flächen in den häufig leerstehenden Ortsmitten erarbeitet werden. „Ein Vorzeige-Vorhaben mit Modellcharakter für das UrbanLand OstWestfalenLippe, das attraktive Lebensumfelder gerade in kleinen Städten schafft und damit die ganze Region stärkt“, so Annette Nothnagel, Leiterin der REGIONALE 2022 bei der OWL GmbH, wo die Bewerbung koordiniert wurde.
„Die Bewilligung ist eine großartige Chance für die beteiligten Kommunen. Den offensichtlichen Herausforderungen in den innerstädtischen Bereichen können wir durch die Bundesförderung in absehbarer Zeit ein fundiertes, wissenschaftlich untermauertes Konzept entgegenstellen. Allein von dem wohl ziemlich einmaligen Entwicklungsprozess werden die sechs Gemeinden enorm profitieren“, so Johannes Schlütz, Bürgermeister der antragstellenden Stadt Nieheim im Kreis Höxter.
Der sich durch Corona verstärkende Trend, dass Menschen Überschaubarkeit und das Leben in ländlichen, aber vitalen Gebieten suchen, bietet Chancen für Kleinstädte. Gleichzeitig gilt es, älteren Menschen passende Angebote zu machen. Das Konzept mit dem Titel „Bündnis für Wohnen im ländlichen Raum. Neue Instrumente für die Stärkung der Ortsmitte kleiner Städte und Gemeinden“ des Projektverbunds setzt da an.
Mit der Förderbewilligung für die Pilotphase bis März 2023 startet der Projektverbund jetzt mit der Entwicklung zukunftsfähiger Nutzungsmodelle für Flächen und Bestandsimmobilien in den Ortskernen der beteiligten sechs Kommunen, die mit Leerstand vieler Wohn- und Geschäftshäuser in der historischen Ortsmitte kämpfen. Es gilt, neue Wohnmodelle zu entwickeln, die im Altbestand umsetzbar sind. Damit sollen gute Rahmenbedingungen für private Initiative und Investition geschaffen werden, der Ortskern wird wieder attraktiver und mit Leben gefüllt.
„Kleine Kommunen sind mit einer solchen Projektentwicklung allein oft überfordert. Die Förderung der interkommunalen Zusammenarbeit macht die Kommunen handlungsfähig. Durch die bundesweite Vernetzung können wir auch von guten Beispielen andernorts lernen“, erläutert Annette Nothnagel. Als begleitende Projektagentur fungiert die OstWestfalenLippe GmbH. Das Vorhaben soll ein Projekt der REGIONALE 2022 werden. Ziel ist damit auch, den Wissenstransfer für andere interessierte Kleinstädte in OWL herzustellen.
Die sechs beteiligten Städte werden sich unter wissenschaftlicher Begleitung in Workshops zusammenfinden und die konkreten Nutzungsbedarfe untersuchen. Dabei wird auch konkret mit den Menschen vor Ort gearbeitet. Für die wissenschaftliche Begleitung sind die Ruhr-Universität Bochum/InWIS (Institut für Wohnungswesen, Immobilienwirtschaft, Stadt- und Regionalentwicklung) sowie die Fachhochschule des Mittelstands Bielefeld (Fachbereich Wirtschaft, Innovation & Raumentwicklung) beteiligt. Die daraus resultierenden Handlungsoptionen könnten die Kommunen dann vor Ort testweise umsetzen. Sind die Tests in den Städten erfolgreich, sollen sie als Muster für andere Kleinstädte dienen.
OstWestfalenLippe richtet die REGIONALE 2022 unter der Überschrift „Das neue UrbanLand“ aus. Ziel ist es, die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse in Stadt und Land zu stärken. Ein Thema ist das Wohnen. Dafür werden Projekte gesucht, die sich in besonderem Maße mit der Quartiersentwicklung, dem Wohnen, der Gesundheitsversorgung, dem Landschaftsraum sowie der Kultur beschäftigen und dabei die Ansprüche und Vorstellungen der heutigen und zukünftigen Nutzenden in den Fokus rücken. Weitere Informationen unter: www.urbanland-owl.de
Nieheims Bürgermeister Johannes Schlütz hält den Förderbescheid für das "Bündnis für Wohnen im ländlichen Raum" in seinen Händen. | Foto: Stadt Nieheim
Gleich zwei REGIONALE 2022-Projekte erhielten mit Übergabe des Zuwendungsbescheids einen Startschuss: Die Klimaerlebniswelt Oerlinghausen und der Digital Showroom im Archäologiepark Höxter als Teilprojekt von Zukunftsfit Digitalisierung. Die Fördermittel entstammen dem Programm Bund-Länder Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Regionalen Wirtschaftsstruktur“ des Landes Nordrhein-Westfalen und des Bundes. Die Projektträger Kreis Lippe und Kreis Höxter nahmen die Zuwendungsbescheide von Staatssekretär Christoph Dammermann vom NRW Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie und die Detmolder Regierungspräsidentin Judith Pirscher am 19. Februar 2021 in Marienmünster entgegen. Gleichzeitig erhielten zwei weitere Tourismusprojekte - die „Moorerlebniswelt“ in Bad Driburg und die „LandGenussTouren“ des Kreises Höxter - eine Förderung.
Staatssekretär Christoph Dammermann: „Die Tourismusbranche ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in Ostwestfalen-Lippe – und leidet sehr stark unter der Corona-Pandemie. Ob spannende Radtouren, eine Klimaerlebniswelt oder ein digitaler Show-Room, der Geschichte erlebbar macht: Mit den geförderten Vorhaben unterstützt das Land die Region dabei, innovative touristische Angebote umzusetzen und sich erfolgreich für die Zukunft aufzustellen. So können die Unternehmen bald wieder zahlreiche Besucher anlocken und Wege aus der Krise finden.“
Regierungspräsidentin Judith Pirscher stellte heraus: „Die vier Projekte verknüpfen die 'Schätze' unserer Region mit Erlebnissen und Emotionen. Sie sprechen alle Sinne an und machen dank digitaler Technik auch Unsichtbares und Vergangenes erfahrbar. Ich bin mir sicher, dass diese Projekte zu hoher Kundenzufriedenheit, digitaler Präsenz der Region und starker Kundenbindung führen werden. Sie zeigen eindrucksvoll, wie mit öffentlichen Mitteln gute und nachhaltige Impulse in die regionale Wirtschaft gegeben werden.“
Der Landrat des Kreises Höxter, Michael Stickeln, freut sich sehr über die Förderung der touristischen Projekte. Zur Förderung des Digitales Show-Rooms im Archäologiepark Corvey sagt er: „Dieses wegweisende Projekt bietet uns die Riesenchance, die Gäste der Landesgartenschau 2023 für unser Kulturland als eine attraktive Tourismus-, Kultur-, und Freizeitregion zu begeistern. Mit dem digitalen Show-Room im Archäologiepark Corvey schaffen wir multimediale Erlebniswelten, die unsere Besucherinnen und Besucher nicht nur informieren, sondern auch faszinieren. Dabei geht es nicht nur um die Vermittlung des Welterbes Corveys mit neuesten Technologien, sondern auch um die multimediale Präsentation weiterer Anziehungspunkte in unserer Region. Das innovative Tourismuszentrum soll auch nach der Landesgartenschau in der attraktiven Lage nahe an der Weser und dem beliebten überregionalem Weser-Radweg weitergeführt werden und als Aushängeschild für den gesamten Kreis Höxter dienen. Mit dem Kreis und der Stadt Höxter, dem Landesbetrieb Wald und Holz und dem Naturpark Teutoburger Wald/ Eggegebirge kooperieren vier starke und erfahrene Partner, um dieses wegweisende Vorhaben für die Region umzusetzen."
Landrat Dr. Axel Lehmann sagte: „In die Klimaerlebniswelt Oerlinghausen sind Touristen und Fachpublikum eingeladen, um den Klimawandel mit allen Sinnen zu erleben. Gäste können sich in Oerlinghausen inspirieren lassen, was Gesellschaft und jeder Einzelne beitragen kann, damit wir den Klimawandel begrenzen und uns an Klimafolgen anpassen.“
Herbert Weber, Geschäftsführer der OWL GmbH, betonte: „Investitionen in die Freizeit- und Tourismusinfrastruktur tragen entscheidend zur Gestaltung des UrbanLand OstWestfalenLippe bei und damit zum Erfolg der REGIONALE 2022. Sie sorgen für neue touristische Angebote, erhöhen die Aufenthalts- und Lebensqualität für Bürger und für Gäste, oft verbinden sie Stadt und Land. Sie sind Standortmarketing pur und vermitteln ein Gefühl für das UrbanLand OstWestfalenLippe. Die beiden Projekte Klimaerlebniswelt Oerlinghausen und Digital Showroom im Archäologiepark Höxter sind hervorragende Beispiele dafür.“

Foto (Bezirksregierung Detmold, Moseke): v.l.n.r. Regierungspräsidentin Judith Pirscher, Landrat Michael Stickeln (Kreis Höxter), HW, Landrat Dr. Axel Lehmann (Kreis Lippe) und Staatssekretär Christoph Dammermann (MWIDE Wirtschaftsministerium)
Corona Ausfälle im Jahr 2020 im Reisegebiet Teutoburger Wald / OWL bei mehr als 1 Milliarde Euro / 53.000 Arbeitsplätze durch Tourismus und Freizeit / 2019 wurden 3,08 Mrd. Euro Umsatz erzielt
(Bielefeld, 19.02.2021) Der Tourismus in OstWestfalenLippe ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. 2010 lag der Gesamtumsatz im Reisegebiet Teutoburger Wald noch bei 2,6 Mrd. Euro. Bis zum Jahr 2019 war der Gesamtumsatz auf 3,08 Mrd. Euro gestiegen. Der Bereich der Tagesgäste hatte mit 2,03 Mrd. Euro (66 Prozent) den größten Anteil. Der Umsatz bei Übernachtungsgästen lag bei 1,05 Mrd. Euro (34 Prozent).
„Tourismus ist in OWL nicht nur ein starker Wirtschaftsfaktor und sichert mehr als 53.000 Arbeitsplätze, sondern auch ein wesentlicher Standortfaktor für die Unternehmen der Region. Bei der Gewinnung von Fachkräften ist die Freizeitinfrastruktur mit ihrem Erlebniswert und mit Angeboten für die gesamte Familie ein wichtiges Plus. Was für Touristen attraktiv ist, trägt auch für die Einwohnerinnen und Einwohner in OWL zur Lebensqualität bei“, hebt Landrat Dr. Axel Lehmann, Vorsitzender des Fachbeirats Tourismus der OWL GmbH, hervor. Das unterstreicht auch das aus den Umsätzen resultierende Steueraufkommen, das sich im Jahr 2019 allein für Mehrwertsteuer und Einkommenssteuer auf ca. 285,1 Mio. Euro belief. Dazu kommen noch durch den Tourismus hervorgerufene Gewerbesteuern, Grundsteuern, Zweitwohnungssteuern und Kurtaxen.
Die aktuellen Zahlen wurden im Rahmen des Projekts „Zukunftsfit Digitalisierung“ vom Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Institut für Fremdenverkehr (dwif) mit Sitz in Berlin und München im Auftrag der OWL GmbH ermittelt.
Investitionen in Tourismus-bezogene Infrastruktur lohnen sich
Der Tourismus ist eine klassische Querschnittsbranche. Egal ob Gastgewerbe, Einzelhandel, Dienstleistende oder Zuliefernde, wie regional Produzierende und Handwerksbetriebe: Es gibt kaum einen Wirtschaftsbereich, der nicht vom Tourismus profitiert. Deshalb lohnen sich Investitionen von Kommunen und Unternehmen in die Tourismus-bezogene Infrastruktur, in konkrete Produkte und in die touristische Vermarktung.
Der Tourismus ist Umsatzbringer und leistet über Steuereinnahmen einen Beitrag zur Finanzierung der öffentlichen Haushalte. Als Jobmotor bietet der Tourismus Menschen vieler unterschiedlicher Berufsqualifikationen und Beschäftigungsverhältnisse (von der Saisonkraft bis zur Vollzeitstelle) Einkommensmöglichkeiten. Er schafft und sichert ortsgebundene Arbeitsplätze. Er trägt zudem direkt zur Verbesserung der lokalen Infrastruktur bei, steigert die Attraktivität des Standortes OWL und die Lebensqualität in der Region.
„Die Tourismusbranche unserer Region wird gern mal unterschätzt. Dabei gibt es kaum einen Wirtschaftsbereich, der von der Querschnittsbranche Tourismus nicht profitiert. Steuereinnahmen in beträchtlicher Höhe auch für unsere Kommunen sowie Arbeitsplätze, die nicht woandershin zu verlagern sind, gehen damit einher“, so Lehmann weiter.
Auch vor diesem Hintergrund sind die Corona-bedingten Einbrüche in der Tourismusbranche schmerzlich. Die ebenfalls vom dwif ermittelten Zahlen für das Jahr 2020 zeigen die Dramatik: allein für die Monate März und April 2020 lag der Umsatzausfall bei 384,3 Mio. Euro. Für die Monate März bis Dezember 2020 lag der Umsatzausfall sogar bei 1,086 Mrd. Euro. Das ist ein Minus von mehr als 35 Prozent im Vergleich zu 2019. Der Übernachtungsbereich hatte mit 48 Prozent das größte Umsatz-Minus, der Tagestourismus büßte rund 29 Prozent ein. „Gerade in dieser Situation ist es wichtig, dass die Tourismus-Organisationen der Region die Unternehmen beim Neustart und in den kommenden Jahren optimal unterstützen können“, betont Herbert Weber, Geschäftsführer der OWL GmbH.
Weitere Informationen:
www.teutoburgerwald.de/zukunftsfit-digitalisierung
Kontakt:
Teutoburger Wald Tourismus
Fachbereich der OstWestfalenLippe GmbH
Tobias Valentien
Tel. 0521 9673315
t.valentiennoSpam@teutoburgerwald.de
Quelle: Teutoburger Wald Tourismus, M. Schoberer
In ganz OWL mit dem Fahrrad komfortabel von A nach B kommen. Das Projekt Radnetz OWL zeigt, wie das gehen kann. Das Konzept für den lückenlosen, verkehrssicheren und zukunftsfähigen Alltagsradverkehr in der Region liegt jetzt vor und geht in die Umsetzung.
Das Interesse an der modernen Radmobilität ist groß: Mehr als 220 Teilnehmende, darunter NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst mit einem digitalen Grußwort, Landräte und Bürgermeister aus OWL, Vertretungen aus Politik, der Ministerien, von Verbänden und Fachleute aus NRW waren am 12.2.2021 zu Gast bei der digitalen Radnetz-Vorstellung der OstWestfalenLippe GmbH. Sie alle unterstützen den Aufbau der Wegeinfrastruktur für die Region.
Radnetz OWL ist ein Projekt im Rahmen der REGIONALE 2022, beteiligt sind alle Kommunen und Kreise aus OstWestfalenLippe, die kreisfreie Stadt Bielefeld und Straßen.NRW.
Das Radnetz OWL skizziert ein Wegenetz mit einer Länge von insgesamt ca. 2.000 Kilometern. Mit diesem großen Infrastrukturvorhaben wird ein Angebot entwickelt, das im Trend liegt: Ermöglicht unter anderem durch die immer beliebter werdenden E-Bikes werden weitere Strecken, auch in hügeligen Landschaften zurückgelegt. Immer mehr Menschen nutzen das Fahrrad als gesunde, klimaschonende und auch preiswerte moderne Mobilitätsform – auf dem Weg zur Arbeit, Ausbildung oder Schule, von Tür zur Tür oder als Zubringer zu Bus und Bahn. Was häufig noch fehlt, sind schnelle, komfortable und sichere Radwege. Das Radnetz OWL definiert als Rückgrat der Radwegenetze die Verbindungen zwischen den Städten und Gemeinden sowie die notwendigen Ausbaustandards in Abhängigkeit von der prognostizierten Zahl der Nutzenden. Es zeigt auf, wo Handlungsbedarf in der Region besteht und gibt Empfehlungen – durch Lückenschlüsse, Ausbau und Neubau.
Mit dem Radnetz OWL liegt ein priorisierendes Pendlerradnetz vor. Es integriert bestehende Konzepte – wie das Alltagsradwegekonzept Kreis Gütersloh und das Integrierte Radverkehrskonzept der Regiopolregion Bielefeld. Das gut ausgebaute Freizeitwegenetz in OstWestfalenLippe wird dabei strukturell berücksichtigt.
Der Radschnellweg OWL 2.0 als direkte Verbindung zwischen den Städten Rheda-iedenbrück, Gütersloh, Bielefeld und Herford ist als Verlängerung des schon in Planung befindlichen RS3 (Herford-Minden) ein Leuchtturm-projekt für die Region. Für diesen Radschnellweg wurde eine Potenzial-analyse im Rahmen des Radnetzkonzeptes OWL erstellt. Auch Radvorrangrouten, etwa die geplante Strecke an der alten B 68 zwischen Borgholzhausen und Bielefeld sind dabei.
Im Fokus des Radnetz OWL steht auch die nachhaltigere Erreichbarkeit ländlicher Gebiete. Damit einher geht die stärkere Vernetzung unterschiedlicher Verkehrsmittel und neuer, digitalisierter Mobilitätsangebote. Dazu dient die Verknüpfung des Radnetz OWL mit den Mobilitätsstationen als Umsteigepunkte. Darüber hinaus bietet sich die Chance, den Ausbau einer modernen Radverkehrsinfrastruktur zusammen mit neuen Ansätzen für zukünftige Siedlungs- und Quartiersstrukturen (auch Gewerbegebiete) zu denken und zu entwickeln.
Auf der Basis des vorliegenden Radnetz OWL können nun weitere kreisweite Radverkehrskonzepte aufbauen.
Die Stärkung des Radverkehrs gehört zu den zentralen Maßnahmen-empfehlungen der im November 2019 veröffentlichten REGIONALE 2022-Mobilitätsstrategie für das UrbanLand OstWestfalenLippe. Der Impuls zu dieser über einzelne Kreise hinausgehenden koordinierten Planung für ein gemeinsames regionales Radnetz wurde als Projektidee des Kreises Paderborn bei der REGIONALE 2022 eingereicht und zu einem OWL-weiten Ansatz ausgeweitet. Moderiert wurde der Prozess vom Team der REGIONALE bei der OstWestfalenLippe GmbH. Beteiligt sind die sechs Kreise Gütersloh, Herford, Höxter, Lippe, Minden-Lübbecke, Paderborn und die Stadt Bielefeld mit Unterstützung der Bezirksregierung Detmold, von Straßen.NRW sowie dem beauftragten Planungsbüro SHP Ingenieure aus Hannover. Gefördert wurde das Konzept im Rahmen der REGIONALE 2022 vom Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen.
Der Kurzbericht Radnetz OWL ist zum Download verfügbar: https://www.urbanland-owl.de/presse-mediathek/medien-zum-download/
Bielefeld/Gütersloh, 10.02.2020. Unter dem Titel „Transformer – neue Bedingungen im Kulturbereich“ fand am Mittwoch die 14. OWL Kulturkonferenz zum ersten Mal in rein digitaler Form statt. Kulturschaffende, sowie Vertreter aus Kulturpolitik, -verwaltung und Kultureinrichtungen beschäftigten sich mit der aktuellen Transformation der Kultur, getrieben durch die Digitalisierung und die Corona-Krise.
Mehr als 200 Teilnehmer nahmen an der digitalen OWL Kulturkonferenz teil, die von der OWL GmbH in Kooperation mit der Bezirksregierung und dem Regionalrat und in Zusammenarbeit mit dem Kulturdezernat der Stadt Gütersloh veranstaltet wurde. „Die hohe Teilnehmerzahl zeigt das große Interesse der Kulturakteure in OWL an Möglichkeiten zum Netzwerken und Arbeiten an Lösungsmöglichkeiten zur Bewältigung der gegenwärtigen Pandemiesituation,“ freut sich Landrat Dr. Axel Lehmann, Vorsitzender des Fachbeirats Kultur der OWL GmbH über die Resonanz.
Mit seinem Impulsvortrag „Zukunftsfragen. Überlegungen zur Kulturpolitik der Transformation“ eröffnete Dr. Henning Mohr, Leiter des Instituts für Kulturpolitik der Kulturpolitschen Gesellschaft e.V. die Konferenz.
Sechs interaktive Workshops boten die Möglichkeit zum Austausch über aktuelle und generelle Veränderungen im Kulturbereich, sowie einen direkten Praxisbezug unter anderem am Beispiel der Transformation der „Drums´n´Percussion Paderborn“ vom analogen zu einem neuen digitalen Event.
Wie Partizipationsideen innerhalb der Kultur-Transformation aussehen können, zeigte der Workshop „Alle sind Host – Transformation divers und inklusiv gestalten“ mit der Einbindung kreativer Interaktionen und künstlerischem Arbeiten.
Im Workshop „Kultur und Journalismus in Zeiten der Corona-Krise“ wurde über die Möglichkeiten der Kulturberichterstattung diskutiert. Die offene Austauschrunde beschäftigte sich damit, wie die gegenseitigen Erwartungen zwischen Kulturszene und Medien aussehen.
Neben der Vorstellung von einzelne Features der neuen „OWL Live“-Kulturplattform für OstWestfalenLippe gab es auch Möglichkeiten diese direkt auszuprobieren.
In weiteren Diskussionen und Workshops wurde über die zukünftige Aufstellung von Kulturinstitutionen und ihren Möglichkeiten Transformationsprozesse konstruktiv mitzugestalten, diskutiert. Am Beispiel des „Paderborner Kultur-Soli“ gab es Einblicke in die Möglichkeiten einer Finanzierung für Kulturschaffende durch Crowdfunding.
Besonderer Programmpunkt der Konferenz war die Premiere des interaktiven Films „caretopulis“, in dem sich das Publikum individuell durch die Spielszenen des Stücks klicken und so selbst entscheiden konnte, wie das Stück verlaufen soll. Um neben dem Geist auch den Körper in Bewegung zu halten, lud die Konferenz in den Pausenzeiten zu einem ausgleichenden Bewegungsprogramm ein.
Als regionales Forum für Information, Erfahrungsaustausch und Vernetzung wurde die OWL Kulturkonferenz erstmals in ein digitales Format transformiert, mit dem Anspruch vielseitige Interaktionsmöglichkeiten zu integrieren.
Zum 14. Mal hatte das Kulturbüro der OstWestfalenLippe GmbH Fachleute aus Kultur, Bildung, Verwaltung und Politik zur OWL Kulturkonferenz eingeladen. Die Veranstaltung ist ein wichtiger Teil der Aktivitäten, mit denen sich das Kulturbüro der Regionalmarketing- und Regionalentwicklungsgesellschaft OstWestfalenLippe GmbH für die Förderung der kulturellen Vielfalt in OWL einsetzt.
O-Töne zur OWL Kulturkonferenz:
Regierungspräsidentin Judith Pirscher: „Kultur kann auch digital. Wir erleben Kulturschaffende aktuell als hochmotivierte Akteure, die in Ostwestfalen-Lippe neue Wege beschreiten, um Menschen mit ihren kulturellen Angeboten zu erreichen – in den Städten und auf dem Land. Die OWL Kulturkonferenz ist eine bewährte Plattform, sich über neue Ideen, neue Partnerschaften und Kooperationen auszutauschen und die Kulturregion Ostwestfalen-Lippe weiter zu entwickeln.“
Regionalratsvorsitzender Reinold Stücke: „Die OWL Kulturkonferenz ist ein wichtiges Event der Region, auf dem über die Weiterentwicklung der Kulturregion OstWestfalenLippe diskutiert wird. Die Kulturschaffenden aus der Region nutzen sie als Plattform für den Austausch, Diskussionen und als Impulsgeber für die eigene kulturelle Arbeit.“
Dr. Henning Mohr (Leiter des Instituts für Kulturpolitik der Kulturpolitischen Gesellschaft e.V.): „Im Kontext eines disruptiven gesellschaftlichen Wandels muss sich auch der Kulturbereich verändern. Es braucht eine Transformation kultureller Infrastrukturen zu mehr Agilität, Digitalität, Diversität und Nachhaltigkeit, um auch neuen Anforderungen des Publikums gerecht werden zu können. Zur Unterstützung dieser Prozesse müssen wir die Grundlagen einer transformationsorientierten Kulturpolitik definieren, die den Wandel durch zukunftsweisende Rahmenbedingungen unterstützt.“
Andreas Kimpel (Kulturdezernent der Stadt Gütersloh): „Die Digitalisierung schafft viele neue Möglichkeiten für die Kulturschaffenden in OWL. Aufgabe der Politik ist es die Transformationsprozesse im Kultursektor zu begleiten und mit den richtigen Förderungen zu unterstützen.“
Landrat Dr. Axel Lehmann (Vorsitzender des Fachbeirats Kultur der OWL GmbH): „Das kulturelle Angebot der Region Ostwestfalen Lippe ist ein wichtiger Bindefaktor für junge Menschen und Familien an die Region. Die OWL Kulturkonferenz bietet die Basis für einen intensiven Austausch unter den Kulturschaffenden und der Kulturpolitik, um dieses kulturelle Angebot attraktiv zu halten und weiter zu entwickeln.“
Herbert Weber (Geschäftsführer OWL GmbH): „OWL ist in Sachen der digitalen Transformation gut aufgestellt, wie Projekte wie it’s OWL oder die digitale Modellregion zeigen. Davon kann die Kulturszene profitieren. Die OWL GmbH bietet Ansätze für den Austausch.“
Jana Duda (Leitung OWL Kulturbüro): „Die Organisation und Durchführung dieser online-Konferenz war für uns ein spannendes Experimentierfeld. Wir nehmen vielen wichtige Erkenntnisse mit und können die Kulturschaffenden der Region in Zukunft noch konkreter beraten.“
Am 2. Februar hat das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW einen Aufruf für das Ausbildungsprogramm ab September 2021 veröffentlicht.
Alle weiteren Unterlagen finden Sie unter: https://www.mags.nrw/esf-aufrufe
Aufruf des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen vom 2. Februar 2021 zur Einreichung von Interessensbekundungen für Ausbildungsprogramm NRW in der Förderphase 2021-2027. Dieser Aufruf und die genannten Förderkonditionen verstehen sich vorbehaltlich des Inkrafttretens der ESF-Förderrichtlinie 2021-2027.
Zum Ausgleich der regionalen und lokalen Unterschiede hat die Landesregierung das „Ausbildungsprogramm NRW“ implementiert. Die Förderung von rund 1.000 zusätzlichen Ausbildungsplätzen für junge Menschen mit Vermittlungshemmnissen erfolgt in den Gebietskörperschaften, in denen eine ungünstige Ausbildungsmarktlage vorliegt.
Interessenten reichen ihre aussagekräftigen Bewerbungsunterlagen bis spätestens zum 23. Februar 2021 (Dienstschluss) im Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen ein. Die Regionalagentur berät bei der Antragstellung.
Sie finden den Aufruf unter:
Die digitale Transformation der Arbeitswelt stellt die berufliche Bildung vor große Herausforderungen: Zehntausende Berufsschüler*innen, Azubis und Studierende müssen für sich ändernde Anforderungen qualifiziert werden. Auf dem Bildungsdialog der OstWestfalenLippe GmbH wurde deutlich, dass OWL die Herausforderungen aktiv angeht: In Modellprojekten entwickeln Berufskollegs, Schulträger und Unternehmen gemeinsam neue Konzepte und Lernwerkstätten, um die Fachkräfte von morgen auf die Anforderungen der digitalen Arbeitswelt vorzubereiten. Das Projekt „Bildungsbrücken OWL“ der TH OWL spielt dabei eine entscheidende Rolle. Die Qualifizierung des pädagogischen Personals und die Förderung selbstorganisierten Lernens werden als wichtige Handlungsfelder gesehen.
Wer Reformen angehen möchte, muss den Status Quo aufnehmen, Ansätze entwickeln, Projekte evaluieren und Ausblicke wagen. Unter diesem Motto stand der „Bildungsdialog 4.OWL“, zu dem die OstWestfalenLippe GmbH am 27. Januar 2021 im Rahmen des Projekts „Bildung 4.OWL“ eingeladen hat. Über 140 Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutierten mit Expert*innen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Bildung, wie die digitale Transformation der beruflichen Bildung gestaltet werden kann. Wolfgang Marquardt, Prokurist der OstWestfalenLippe GmbH, erläutert: „Im Spitzencluster it´s OWL und weiteren Projekten erforschen wir, wie die digitale Transformation die Arbeitswelt verändern wird. Die Ergebnisse müssen wir jetzt für die berufliche Bildung verfügbar machen. Mit Lernwerkstätten an den Berufskollegs und der Zusammenarbeit von Berufskollegs und Schulträger im Innovationzentrum für berufliche Bildung OWL sind bereits wichtige Veränderungen auf den Weg gebracht. Darüber hinaus müssen wir Zukunftsthemen wie didaktische Konzepte für digitale Bildungsangebote oder die Potenziale von Plattformen und 5G für die berufliche Weiterbildung gemeinsam angehen.“
Qualifizierung des pädagogischen Personals als Erfolgsrezept
Auch Prof. Dr. Peter F. E. Sloane, Professor für Berufsbildungsforschung an der Universität Paderborn und Mitglied der Enquete-Kommission „Berufliche Bildung in der digitalen Arbeitswelt“ des Deutschen Bundestages, stellt OWL ein positives Zeugnis aus:
OWL ist eigentlich auf einem guten Weg. Man hat hier erkannt, dass es große gesellschaftliche Herausforderungen gibt.
Dazu gehören sowohl die digitale Transformation der Arbeitswelt als auch digitales Lernen. Der wichtigste Schlüssel dafür ist laut Sloane die Qualifizierung von Lehrer*innen, Ausbilder*innen und Dozent*innen.
Als grundlegendes Problem identifiziert er den großen Unterschied zwischen Leuchtturmprojekten und dem Alltag in der Breite der Bildungseinrichtungen: „Ich bin mir sehr bewusst, dass es im Bereich der beruflichen Bildung Leuchttürme oder Highlights gibt. Ich sehe aber das Problem, dass berufliche Schulen z.B. im Grunde zwischen den alltäglichen Anforderungen jenseits dieser Leuchttürme und den Leuchttürmen arbeiten müssen.“ Während sich etwa die Schüler*innen in den Lernfabriken selbstreguliert dazu qualifizieren, neue, digitale Gestaltungsmöglichkeiten mündig zu beurteilen, wird diese Art des eigenverantwortlichen Lernens an vielen Berufsschulen in OWL noch nicht dezidiert gefördert. Eberhard Niggemann, Leiter der Weidmüller Akademie, sieht dabei sowohl die Unternehmen als auch die Schulen hier in der Pflicht: „Ganz wichtig ist es mir, dass wir immer wieder auf die Methodenkompetenz schauen. Selbstorganisation, Problemlösungskompetenzen, wie gehe ich Projekte an, wie komme ich zu Lösungen, welche Methoden gibt es da, bis hin auch zu eigenverantwortlichem Handeln und eigenverantwortlichem Lernen. Da sind wir als Unternehmen gefordert, aber das erwarten wir auch von den Schulen.“
Prof. Dr. Sloane schlägt vor, dieser Problematik in Form von gemeinsamen Fortbildungsmaßnahmen von betrieblichen Ausbilder*innen, (Berufsschul-)Lehrer*innen und Dozent*innen zu begegnen, um eine Professionalisierung des pädagogischen Personals in Bezug auf die berufliche Bildung 4.0 zu erreichen. Dabei betont er die Bedeutung regionaler Zusammenarbeit und wirbt für den Aufbau von Kooperationen zwischen Bildungsinstituten und Lernorten, um auf die individuellen Anforderungen vor Ort präzise eingehen zu können. Michael Urhahne, Schulleiter des Berufskollegs des Kreises Höxter, unterstützt diese Ansätze aus der Perspektive der Praxis: „Ich glaube, dass wir gemeinsam die Lehrkräfte nachhaltig qualifizieren und perspektivisch-strategisch schauen müssen, wo Exzellenzen in der Region sind, die wir nutzen können.“
Projekt Bildungsbrücken: Pionierarbeit für die Bildung von morgen
Wie die berufliche Bildung in Zukunft aussehen wird, erforschen die Technische Hochschule OWL, Lippe Bildung, die Lippe Bildung eG und die Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lippe“ in den nächsten vier Jahren im Projekt „Bildungsbrücken OWL“. Prof. Dr. Andreas Welling, Inhaber der „Stiftungsprofessur für Entrepreneurship“ an der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe, verdeutlicht das Ziel des Projekts unter dem aus der industriellen Fertigung entliehenen Stichwort „Losgröße 1“:
Wir müssen in Masse individuell bilden. Für uns ist das Bildungssystem u.a. dann exzellent, wenn jeder so gefördert wird, wie er es braucht, und jeder erreichen kann, was er möchte.
Umgesetzt werden soll dieses Vorhaben im Kern mit hybriden Bildungsformaten und gemeinsamen Lernorten. Kooperationen zwischen Bildungseinrichtungen sollen ermöglichen, dass sich Schüler*innen, Auszubildende und Studierende ortsunabhängig und auf individuelle Bedürfnisse zugeschnitten qualifizieren können, ohne dabei von organisatorischen oder systemischen Grenzen eingeschränkt zu werden. Die gemeinsamen Lernorte und Lehrveranstaltungen fördern dabei den interdisziplinären Austausch zwischen Lernenden entlang der Bildungskette.
Bildungssektoren werden sich stärker miteinander verbinden
Für Prof. Dr. Ulrich Schäfermeier aus dem Fachbereich Wirtschaft der Fachhochschule Bielefeld ist dies eine zukunftsweisende Eigenschaft des Konzeptes: „Ich denke, dass in den kommenden fünf Jahren eine weitere Verschränkung der Bildungsketten stattfinden wird, sowohl vor dem Studium als auch nach dem Studium.“ Das Partnernetzwerk des Projekts „Bildungsbrücken OWL“ mit Akteuren aus Bildung, Forschung, Verbänden und Wirtschaft bietet dafür eine wichtige Grundlage. Prof. Dr. Welling lädt interessierte Institutionen und Betriebe in ganz OWL dazu ein, sich zu beteiligen, um die Vernetzung innerhalb der Region zu stärken. Ein Punkt, dem auch Annette Mühlenhoff, Bildungsdezernentin des Kreises Paderborn für die nächsten fünf Jahre große Bedeutung beimisst: „Ich möchte, dass unsere Netzwerkarbeit absolute Selbstverständlichkeit und wir die Mehrwerte deutlich machen. Und dass wir in OWL ein breites und vielfältiges Bildungsangebot aufrechterhalten zu können, ohne dass Schülerinnen und Schüler weite Fahrwege auf sich nehmen oder sogar die Region verlassen müssen.“
Der nächste Bildungsdialog 4.OWL findet im Oktober 2021 statt.
HIer können Sie sich den Bildungsdialog 4.OWL als Zusammenfassung ansehen: https://www.youtube.com/watch?v=bNLDRVgN2oM
Und hier in voller Länge: https://www.youtube.com/watch?v=Q0OGyTXTxWY
Personalplanung und Personalentwicklung mit Weitblick!
Zukunftsdialog Pflege: Fit für moderne Arbeit. Eine Veranstaltung der Regionalagentur OWL in Kooperation mit der Servicestelle Wirtschaft des Kreises Paderborn, dem Demographie Netzwerk e.V. (ddn) und der BGW.
Angesichts des demografischen Wandels und des damit einhergehenden Fachkräftemangels wird die strategische Personalplanung und -entwicklung gerade für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) zu einem bedeutenden Wettbewerbsfaktor. Denn wer seinen Personalbedarf kennt und seine Mitarbeiter/- innen weiterentwickelt, kann auch gezielt rekrutieren und sichert dem Unternehmen die knapper werdenden Mitarbeiterressourcen.
Vor diesem Hintergrund stellte Susanne Lücke vom Demografie-Experten e.V. dasToolbox „Pythia“ zur Durchführung einer strategischen Personalplanung vor. Dieses für Unternehmen kostenfrei zu nutzende Online-Tool wird bereits von vielen Akteuren im Bereich der Pflege eingesetzt. Frau Lücke stellte den Teilnehmenden das Tool vor, erklärte das Handbuch sowie die umfangreichen Checklisten und Präsentationsmöglichkeiten. An einem Beispiel verdeutlichte die Referentin, wie sich die strategische Personalplanung in kleinen und mittleren Unternehmen, speziell in der Pflege, vereinfachen lässt. Auch auf Fragen der Anwesenden, die das Tool zum Teil bereits nutzen, wurde ebenfalls eingegangen.
Darauf folgend gab Frau Müller von mediCONcept im Auftrag der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) in ihrem Beitrag wertvolle Praxisimpulse zum Thema „Gesundheitsförderung durch Personalentwicklung“.
Zum Abschluss stellte Nicola Pilz, Regionalagentur OWL, die Förderprogramme des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales vor. Kleine und mittlere Unternehmen können diese nutzen, um sich sich bei Veränderungsprojekten und - prozessen durch Beratung professionell begleiten zu lassen oder gezielte Personalentwicklung bzw. Weiterbildung anzugehen.
Die digitale Transformation verändert die Arbeitswelt. Wie wirkt sich das auf Berufsbilder aus? Welche Fähigkeiten brauchen Jugendliche, um den Anforderungen der neuen Arbeitswelt gerecht zu werden? Antworten darauf liefert das neue Projekt „MINT Community 4.OWL“, das im Januar 2021 startet. Dazu werden mobile Mitmach-Angebote aufgebaut sowie 30 neue außerschulische Lernorte im ländlichen Raum geschaffen. Das dreijährige Projekt wird von der OstWestfalenLippe GmbH, der Universität Paderborn, den zdi-Zentren Gütersloh, Herford, Lippe, Minden-Lübbecke und Paderborn sowie dem Bildungswerk der ostwestfälisch-lippischen Wirtschaft e. V. (BOW) umgesetzt und mit 720.000 Euro durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Die MINT-Community 4.OWL gehört zu den 22 Projekten, die im Rahmen der BMBF-Ausschreibung „MINT-Cluster“ aus 120 Bewerbungen ausgewählt wurden.
Durch die digitale Transformation wandeln sich Berufsbilder, neue Berufe entstehen. IT-Kompetenzen und der Umgang mit neuen Technologien sind wichtige Voraussetzungen für die beruflichen Chancen von Jugendlichen. Wolfgang Marquardt, Prokurist OstWestfalenLippe GmbH erläutert: „Mit dem Projekt „MINT Community 4.OWL“ wollen wir diese Veränderungen der Arbeitswelt für Jugendliche in OstWestfalenLippe anfassbar machen. Durch praxisnahe Mitmachangebote sollen sie bei der Berufs- und Studienorientierung unterstützt werden. Dabei geht es uns insbesondere darum, in allen Teilen der Region Zugang zu Angeboten zu ermöglichen – insbesondere auch im ländlichen Raum.“
So wird die Technikdidaktik der Universität Paderborn einen mobilen „MINT Mach Pool“ aufbauen. Die mobilen Kurse bieten einen Überblick über neue Technologien und deren Auswirkungen auf Berufsfelder. Themenfelder sind u. a. Industrie 4.0, 3D-Druck, Augmented und Virtual Reality oder Robotik. Die zdi-Zentren werden 30 neue außerschulische Lernorte in Kommunen aufbauen, in denen Jugendliche bisher keine Angebote zur MINT-Förderung nutzen können wie beispielsweise Lichtenau, Horn-Bad Meinberg, Versmold und Vlotho. Das BOW wird zusammen mit Unternehmen aus OWL den Jugendlichen durch Workshops und Tage der offenen Tür Einblicke in die technischen Ausbildungsberufe mit ihren innovativen Technologien ermöglichen. Durch einen jährlich stattfindenden Zukunftskongress können Schülerinnen und Schüler neue Ansätze aus der Spitzenforschung in den Bereichen KI und Industrie 4.0 erfahren. Die MINT-Akademie bietet Multiplikatoren der Bildungsregion OWL die Möglichkeit, sich über aktuelle Entwicklungen in der Arbeitswelt sowie Trends in der Bildungsforschung zu informieren.
Das Dach über alle Aktivitäten bildet eine Online-Plattform. Diese bietet Schülerinnen und Schülern, Lehrerinnen und Lehrern, Eltern und Multiplikatoren eine Übersicht über alle Veranstaltungen und Angebote und die Möglichkeit, sich auszutauschen und zu vernetzen. Schülerinnen und Schüler können für MINT-Aktivitäten Punkte sammeln und dafür Preise erhalten, wie beispielsweise exklusive Besuche von Forschungseinrichtungen oder Sachpreise.
Um diese Aktivitäten umzusetzen, bündelt die „MINT Community 4.OWL“ die Kompetenzen aus den Gebietskörperschaften, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Über 150 Schulen, Unternehmen, Hochschulen, Forschungseinrichtungen und wirtschaftsnahe Organisationen haben bereits zugesagt, sich in die Aktivitäten des Projekts einzubringen. Die Projektpartner werden im ersten Quartal die Angebote und außerschulischen Lernorte entwickeln. Erste Angebote werden voraussichtlich ab April 2021 starten.
Bild: Universität Paderborn