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Kompetenzzentrum Frau und Beruf OWL 15.09.2021

Online-Seminar: Recruitainment – (digitale) Erlebniswelten kreieren am 02. September 2021

Rund 75 Teilnehmende – Personalverantwortliche aus Unternehmen, Unternehmens- und Personalberaterinnen und -berater sowie Hochschulvertreterinnen – nahmen an der Online-Veranstaltung „Recruitainment – (digitale) Erlebniswelten kreieren“ am 2. September 2021 teil. 

Die Referentin Melanie Vogel ist Unternehmerin seit 1998 und ist u.a. als FEMALE RECRUITING-Expertin, Autorin und Innovation-Coach tätig.

Nach ihrer Standortbestimmung zu Beginn der Veranstaltung hat der Prozess der Digitalisierung bereits in die „Digitalität“ geführt. D.h., dass die Umwandlung und Darstellung von Information und Kommunikation sowie die digitale Modifikation von Instrumenten, Geräten und Fahrzeugen bereits im momentan größtmöglichen Umfang erfolgt ist. Daher könne nicht mehr von einem prozesshaften Übergang (Digitalisierung) gesprochen werden, in dem noch ausprobiert wird, alles neu ist und das Digitalisierungsverständnis noch definiert werden müsse. Stattdessen sei schon der Zustand der Digitalität erreicht, in dem die breite Masse der Bevölkerung bewusst und mündig mit den neuen Möglichkeiten und Geräten umgeht. Das führe zu einer dematerialisierten Welt, wo beispielsweise Handel ohne stationäre Läden, Bücher ohne Papier, Meetings ohne Raum durchgeführt werden u.v.a.m.

Sowohl in der Wirtschaft als auch im Privaten seien Menschen gefordert, mit der Hybridität umzugehen, d.h. sie müssen sich in einer analogen Welt mit einem realen Arbeitsraum, materiell hergestellten Produkten genauso zurechtfinden, wie in der digitalen Welt, die rein virtuell stattfindet, wo die geistige Arbeit nicht sichtbar ist und Ideen und Informationen verarbeitet werden, die nicht greif- oder fühlbar sind.
Auf beide Bereiche muss sich die hybride Arbeitswelt einstellen und einlassen.

Melanie Vogel empfiehlt daher, dass Unternehmen eine 24/7 Präsenz erschaffen, in der das Unternehmen nicht nur die Produkte oder Dienstleistungen, die verkauft werden, unabhängig von Zeit und Ort dauerhaft präsentiert, sondern das Unternehmen sich auch digital als attraktiven Arbeitgeber positioniert. Das gelingt dadurch, dass beispielsweise die Tätigkeitsfelder aufgezeigt werden und Interessierte etwas über die Unternehmenskultur erfahren. Diese beiden Punkte sind für das Dauerthema Rekrutierung von großer Bedeutung. Wichtig ist hierbei, dass nicht nur nüchterne Beschreibungen vorzufinden sind, sondern dass über die Menschen im Unternehmen berichtet wird und eine emotionale Bindung aufgebaut wird, zu den Personen, die die Informationen abrufen.

Zum Start der Konzeption ist es sinnvoll zu recherchieren, wo sich die Zielgruppe der Rekrutierungsmaßnahmen aufhält. Jugendliche und junge Erwachsene der Generation Y oder Z beispielsweise nutzen eher neuere Social Media Plattformen wie TikTok oder Instagram und werden womöglich besser hierüber erreicht. Die Young Professionals, Berufserfahrenen und Eltern (Generation X oder Y), deren Einfluss in der Wahl eines Ausbildungsberufes nicht unterschätzt werden sollte, nutzen eher noch die klassische Homepage eines Unternehmens, um sich über neue Stellen und das Bewerbungsverfahren zu informieren.

Melanie Vogel plädiert dafür, die verschiedenen Social Media Plattformen und digitalen Kanäle dazu zu nutzen, um emotionale, digitale Erlebniswelten zu kreieren, um Talente für das eigene Unternehmen zu begeistern und eine Beziehung („Love Brand“) aufzubauen.

Das kann beispielsweise darüber erfolgen, dass digitale Lebens- und Arbeitswelten aufgezeigt werden, die Begeisterung wecken und die Sehnsucht, Teil des Unternehmens zu werden (Was wünscht sich die Zielgruppe? Welche Bedürfnisse können wir erfüllen (Stichwort „Purpose“)? Wie können wir eine Bindung herstellen?). Als nächstes stellt sich die Frage, wie Aufmerksamkeit erzeugt werden kann (Wie können wir positiv auf uns aufmerksam machen? Welche Kanäle führen uns zur Zielgruppe? Wie können wir das wichtigste vermitteln?).

Nach der Aufmerksamkeit gilt es, das Interesse zu wecken (Welche Geschichten können wir erzählen? Wie schaffen wir Mehrwerte und Inklusion? Wie vernetzen wir Alt und Neu?). Ziel sollte es sein, Identität und Gemeinsamkeiten zu schaffen über eine individuelle Ansprache unter Berücksichtigung der analogen und digitalen Kommunikationskanäle.

Mit der Methode des „Talent Communication Design“ können die o.g. Ziele erreicht werden. Hierunter versteht Melanie Vogel, dass sich die Usability verändert und an das aktuelle Nutzerverhalten anpasst, um die Nutzerfreundlichkeit zu erhöhen. Wie beim Design Thinking stehen dabei die Kundinnen und Kunden (= Talente) im Fokus. Mit ihnen sollen Gemeinsamkeiten geschaffen werden, die Verbindungen und eine Zugehörigkeit schaffen. Ein mitreißender oder überzeugender Unternehmens-Claim kann dabei genauso helfen wie witzige Geschichten oder Bilder.

Schließlich steht die Interaktion mit den Talenten (oder Kundinnen und Kunden) im Fokus (Wie können wir zu Aktivität auffordern? Welche Aktionen sollen erfolgen? Wie schaffen wir ein „Wir-Gefühl“?). Für welchen Call-to-Action die Unternehmen sich entscheiden, mag sogar zweitrangig sein, solange versucht wird, eine (Ver-)Bindung herzustellen und zu halten. Naheliegend ist jedoch die Möglichkeit, sich unkompliziert zu bewerben (z.B. „One-Klick-Bewerbung“) oder anderweitig mit dem Unternehmen in Kontakt zu treten.

Bei den Überlegungen, welche Inhalte generiert werden und wie, können oft die bereits im Unternehmen befindlichen Auszubildenden eingebunden werden, von der Konzeption bis zur Umsetzung; das hilft zum einen, authentische Inhalte zu produzieren und eine passende Ansprache anderer Jugendlicher auf Augenhöhe zu finden und erhöht zum anderen die Chance, dass sie die Inhalte freiwillig und gern über private Social Media Kanäle mit ihren Kontakten teilen.

Nach aktuellen Studien und Umfragen, so Melanie Vogel, werden Social Media Plattformen insbesondere von Frauen und Mädchen intensiv genutzt. Daher lohnt es sich besonders, Zeit in neue Wege der Rekrutierung zu investieren, wenn der Anteil von Mädchen und Frauen in den Ausbildungsberufen, v.a. im MINT-Bereich, sowie in Fach- und Führungspositionen erhöht werden soll.

Veranstalterinnen des Online-Seminars waren das Kompetenzzentrum Frau und Beruf OWL, die Gleichstellungsstelle der Stadt Bielefeld sowie die WEGE Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft Bielefeld mbH.